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1998 Marktredwitz/Oberfranken
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Von Werner Pöschl
Vom 14. bis 18. April 1998 tagte der Verein in Marktredwitz im Nordosten Bayerns, einem Städtchen mit rd. 18 000 Einwohnern am Rande des Fichtelgebirges hart an der Grenze zur tschechischen Republik. Im ersten Moment scheint Marktredwitz etwas "exzentrisch" zu den Stammlanden des Vereins zu liegen. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest, daß das Einzugsgebiet des Oberrheins (resp. des Mains) nur wenige Kilometer westlich auf der Kammlinie des Fichtelgebirges endet. Die aus westlicher Richtung mit dem Auto anreisenden Teilnehmer werden sich noch an das Schild mit dem Aufdruck "Europäische Hauptwasserscheide" am Straßenrand erinnern. Die Tagung wurde vom Bayerischen Geologischen Landesamt, München, ausgerichtet. Bei den ersten Kontakten mit dem Landesamt anfangs der 90er Jahre war zunächst von Regensburg als Tagungsort gesprochen worden. Da aber das Landesamt mit Marktredwitz noch Großes vorhatte schließlich soll die Außenstelle von Bamberg dorthin verlegt werden schlug der Amtsleiter, Herr Schmid, diesen Tagungsort vor. Tagungsleiter war Herr Schwerd. Im Stadtkämmerer von Marktredwitz, Herrn Schwägerl, fand er einen allen Wünschen zugänglichen Ansprechpartner. Auf Herrn Schwerd war absolut Verlaß, sowohl was die Vorbereitung als auch die Durchführung betraf. Herr Schwerd hatte bereits die Tagung in Kempten 1983 erfolgreich mit ausgerichtet. 1998 lag Ostern relativ spät, die Tagung fiel dadurch in die 2. Aprilhälfte. Üblicherweise naht in dieser Zeit der Frühling, und die Temperaturen bewegen sich auf die 20°-Marke zu. Nicht so 1998. Ab Ostern hatte der Winter das Alpenvorland bis zum Elsaß fest im Griff: In den Parks von Strasbourg konnten die Kinder Schneemänner bauen (vor 3 Jahren fand dort die Tagung ähnlich spät bei wenigstens aprilhaften Temperaturen statt), im Schwarzwald mußten Straßen wegen Schneebruches gesperrt werden, selbst in München lagen 10 cm Schnee. Das Tief "Regina" über der Nordsee hatte kalte Polarluft bis zu den Alpen gelenkt. Mit dem Tief "Tatjana" folgte ein weiteres von der Biskaya, das nur langsam in östlicher
Richtung voran kam. Es regnete sich in der westlichen und mittleren Hälfte Deutschlands ab.
Nach Ostbayern gelangte es erst abgeschwächt am Samstag, während der übrigen Tage war
der Himmel zwar meist bedeckt, doch blieb es überwiegend trocken. Das Fichtelgebirge
machte seinem Namen keine Ehre, soll er doch von "feuchtem Gebirge" herstammen. Die
Tagestemperaturen streuten im einstelligen Bereich, nachts fiel das Thermometer unter den
Gefrierpunkt. Alles in allem: Mit dem Entschluß, die Tagung in Ostbayern durchzuführen,
hatte der Verein witterungsmäßig richtig entschieden.
So kalt das Wetter war, so herzlich warm war die Aufnahme des Vereins in Marktredwitz:
Bei der Registrierung im Tagungsbüro im Egerland-Kulturhaus bekam jeder einen Porzellan-Wandteller mit dem Wappen von Marktredwitz überreicht, zusammen mit der gedruckten
Einladung der Bürgermeisterin zu einem offiziellen Empfang. Das Tagungsbüro wurde von
den städtischen Bediensteten Frau Schneider und Frau Schindler geführt. Der
Hausmeister des Egerland-Kulturhauses, Herr Schöpf, kam vorzeitig aus dem Urlaub
zurück, um den reibungslosen Ablauf der Tagung zu gewährleisten.
Rund 200 Teilnehmer hatten sich angemeldet. 20 % davon waren Nicht-Mitglieder. Dieser
vergleichsweise hohe Prozentsatz war auf die erfolgreiche Werbekampagne von Herrn Prof.
Bernt Schröder und auf seine guten Kontakte in den ostbayerischen Raum
zurückzuführen.
Die Halbtagsexkursionen am Dienstag führten in die nähere Umgebung von Marktredwitz.
Herr Mielke vom GLA in München leitete die Exkursion A (Zur regionalen Geologie des
zentralen Fichtelgebirges). 41 Teilnehmer besuchten die Speckstein-Lagerstätte Johannes-Zeche bei Göpfersgrün, deren Genehmigung zur Befahrung im übrigen sehr restriktiv erteilt
wird. Der Betriebsleiter, Herr Meyer, erläuterte die Gewinnungsmethoden, die Aufbereitung
und Verwendung der Rohstoffe. Der Speckstein wird zu Mehl gemahlen und findet Verwendung überwiegend als Füllstoff, z.B. in Baby-Puder. Weitere Haltepunkte der Exkursion
waren die ehemalige Eisenglanz-Lagerstätte Gleislinger Fels nordwestlich Fichtelberg und
die Metalaterite im Mausbachtal südlich Oberwarmensteinach. Als letzter Exkursionspunkt
wurde ein Aufschluß an der stillgelegten Bahnlinie Neusorg-Fichtelberg besucht (Halt A3).
Die geplanten Haltepunkte A4 (Steinbruch Kiefer-Reul-Teich im Kösseine Kerngranit) und
A5 (Steinbruch Kalkhäusel, Wunsiedler Marmor) konnten wegen Zeitmangel nicht
aufgesucht werden. Der Halt A4 wurde aber bei der Exkursion J am Samstag besucht (dort
Halt 4).
Auf der Exkursion B (Zur regionalen Geologie des nördlichen Oberpfälzer Waldes und des KTB-Umfeldes) erläuterte Herr Rohrmüller, ebenfalls vom GLA München, 65 Teilnehmern in 2 Bussen die Grenzregion Saxothuringikum/Moldanubikum. Die Materie war kompliziert und eigentlich nur für Petrographen verständlich. Vermutlich hatte die große Teilnehmerzahl mit dem Halt 3 zu tun. Der galt dem Geo Zentrum Windischeschenbach am Bohrpunkt der ehemaligen Kontinentalen Tiefbohrung (KTB). Der Projektleiter des Geo-Zentrums, Herr Dahlheim und sein Mitarbeiter, Herr Kück, gaben einen Überblick über die Bohrung und die Ausstellung im Besucherpavillon. Der Original-Bohrturm steht nach wie vor und soll als größte Landbohranlage der Welt (!) weiterhin stehen bleiben und Besucher und Seminarteilnehmer anlocken. Das Geo-Zentrum soll zunächst in einer auf 2 Jahren befristeten Pilotphase als Bildungs- und Begegnungsstätte für Geowissenschaftler, Fachinteressenten und Schulen (Motto "Lernen vor Ort") dienen. Des weiteren werden die Vor- und Hauptbohrung vom Geo-Forschungszentrum Potsdam für wissenschaftliche Untersuchungen und Praxistests von Sonden etc. genutzt. In der Diskussion und in den Gesprächen der Teilnehmer untereinander war ein bißchen von der Genugtuung zu spüren, daß die Tiefbohrung nicht ganz so erfolgreich war, wie der Prospekt und die Ausstellung vorgaukeln. Schließlich konnte die nach den Voruntersuchungen auf 3 km geschätzte "Zone von Erbendorf-Vohenstrauß" (ZEV) bis zur Endteufe von 9101 m nicht durchteuft werden. Ja, wenn die Bohrung im heimischen Schwarzwald abgeteuft worden wäre! Auch diese Exkursion konnte ihr geplantes Programm nicht komplett abspulen, der Halt 5
mußte ausgelassen werden. Beide Exkursionen kamen gegen 18.40 Uhr nach Marktredwitz
zurück.
Am Abend fand um 19.00 Uhr im Saal der Gaststätte "Marktredwitzer Hofe" das
traditionelle Abendtreffen statt. Solche Veranstaltungen werden üblicherweise bei Tagungen
als "Icebreaker-Party" angekündigt. Da im Oberrhein normalerweise kein Eis gebrochen
werden muß, dient das Abendtreffen dazu, mit den Vereins-Bekanntschaften aus den letzten
Jahren Kontakt aufzunehmen. Im Nebenzimmer tagte ab 20.00 Uhr der Vereinsvorstand.
Am nächsten Morgen wurde die Tagung um 8.30 Uhr im neuen Veranstaltungssaal des Egerland-Kulturhauses vom Vorsitzenden offiziell eröffnete. Er begrüßte die Ehrenmitglieder, von denen 7 (von insgesamt 10) angereist waren, die ausländischen Tagungsteilnehmer und die offiziellen Vertreter von Marktredwitz. Er dankte der Leiterin des städtischen Fremdenverkehrsbüros, Frau Holma, für ihren Einsatz bei der Tagungsvorbereitung. Weiter dankte er dem Tagungsleiter, Herrn Schwerd, und dem Bayerischen Geologischen Landesamt in München für ihre Bereitschaft, die Tagungsausrichtung zu übernehmen. Dank gelte aber auch den Geologischen Diensten in Sachsen, in Thüringen und in der Tschechischen Republik, die mit Vorträgen und Exkursionen zum Gelingen der Tagung beigetragen haben. Danach begrüßte Herr Bürgermeister Balk in Vertretung der Oberbürgermeisterin die Teilnehmer. Er freue sich, daß der Verein Marktredwitz als Tagungsort gewählt habe. Er stellte das Egerland-Kulturhaus vor, das neben der Geschäftsstelle der "Egerländer Gmoi" das Egerland-Museum und die Geschäftsstelle der Euregio egrensis beherbergt. Weiter ging er auf die Geschichte von Marktredwitz ein. Es wurde als "Radewitze", gelegen an der Handelsstraße von Nürnberg nach Eger, erstmals urkundlich 1140 erwähnt. Im Jahre 1339 hat Kaiser Ludwig der Bayer den Ort an den Abt des Klosters Waldsassen verschenkt. Als dieser ein Jahr später wegen Spielschulden Geld benötigte, hat er Redwitz an die freie Reichsstadt Eger verkauft. Bis 1816, also 476 Jahre lang, gehörte Redwitz zu Eger. Diese Besonderheit verbindet auch heute noch Marktredwitz mit den Orten in den Randgebieten West-Böhmens. 1816 kam die Stadt in einem Nachfolgevertrag des Wiener Kongresses zu Bayern, wobei sie gegen die Stadt Vils in Tirol getauscht wurde. Schließlich schilderte er die Sanierung der Chemischen Fabrik Marktredwitz (CFM), mit der die Stadt durch die Veröffentlichungen in der Presse eine unrühmliche Bekanntheit erlangte. Diese war die älteste chemische Fabrik Deutschlands. Sie wurde 1788 von Wolfang Kaspar Fikentscher gegründet. Schon Goethe hat die Firma besucht und dort experimentiert. 1985 wurde die Firma von der Gewerbeaufsicht geschlossen, Untersuchungen hatten ergeben, daß die Gebäude und der Untergrund hoch belastet waren, insbesondere mit Quecksilber. Ein Jahr später ging die Firma in Konkurs. Da niemand für die Sanierung zu belangen war, mußte der Freistaat Bayern dafür aufkommen. Die Gebäude wurden abgebrochen und zusammen mit dem Boden gereinigt. Die Quecksilberkontamination erreichte Werte über 150 mg/kg Trockensubstanz. Da immer wieder Überraschungen auftraten, zog sich die Sanierung über rd. 8 Jahre hin. Ca. 56 000 t verunreinigtes Material wurden einem eigens entwickelten thermischen Verfahren unterzogen. Dabei wurden etwa 30 t metallisches Quecksilber rückgewonnen. Die gesamte Sanierung hat dem bayerischen Staat 175 Mio DM gekostet. Exakt am heutigen Tag, mit der Tagung zusammenfallend, wird der erste Spatenstich für die Bebauung des sanierten Geländes vollzogen. Es werden Gebäude für Gewerbe und Handel errichtet, u.a. soll im September 1999 die Außenstelle des Geologischen Landesamtes dort einziehen. Der Entschluß für die Verlegung geht auf den früheren bayerischen Umweltminister Gauweiler zurück, der damit dokumentieren wollte, daß man auf dem sanierten Gelände bedenkenlos bauen kann. Am Ende seiner Rede ging Herr Balk noch knapp auf die städtische Mineraliensammlung
ein, die von dem Bürger Oskar Gebhard Ende letzten Jahrhunderts zusammengetragen
wurde. Abschließend wünschte Herr Balk der Tagung einen guten Verlauf und den Teilnehmern einen angenehmen Aufenthalt in Marktredwitz.
Danach stellte sich der Tagungsleiter, Herr Schwerd, vor. Er überbrachte die Grüße des
Leiters des Geologischen Landesamtes. Herr Schwerd dankte den Verantwortlichen der
Stadt für die überaus große Unterstützung und die Geduld, wenn er mit Fragen und Bitten an
sie herantrat. Ebenso dankte er Herrn Stengel-Rutkowski und seinem Kollegen im
Landesamt in Müchen, Herrn Rohrmüller, welche die Kontakte zu den Vortragsrednern
und Exkursionsleitern geknüpft haben. Weiter ging er auf die Euregio egrensis ein, die
1992/93 aus der Taufe gehoben wurde. Es ist ein Zusammenschluß von Landkreisen und
Gemeinden der Länder Bayern, Thüringen, Sachsen und Tschechien. Ziel der Euregio ist es,
im Geiste guter Nachbarschaft zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und Partnerschaft
auf kulturellem, politischem und sportlichem Gebiet zu kommen. Für die Euregio wurde eine
eigene Gesellschaft gegründet. Alle Exkursionen der Tagung bewegen sich innerhalb der
Euregio egrensis. So werde in dieser Woche die Geologie der Euregio von allen Seiten
beleuchtet. Die Presse hat die Tagung bereits entsprechend angekündigt, Marktredwitz werde
in dieser Woche das Mekka der Geologie und die Euregio eine Geo-Euregio egrensis sein.
Nach einigen weiteren organisatorischen Hinweisen von Herrn Schwerd begannen um 9.10
Uhr die Vorträge. Unter seinem Vorsitz referierten:
Rohrmüller, J.: Saxothuringikum und Moldanubikum im Westteil der Böhmischen Masse ein Überblick. Zulauf, G.: Aspekte der cadomischen und variskischen Orogenese im teplábarran dischen Grundgebirge Westböhmens ein Überblick. Mielke, H.: Zur Geologie des zentralen Fichtelgebirges.
Nach einer Kaffepause, zu der auch belegte Brötchen und Gebäckstücke gereicht wurden,
folgten unter dem Vorsitz von Herrn Jacobshagen die Vorträge:
Hecht, L.: Neue Aspekte zur Genese der Fichtelgebirgsgranite. Berger, H. J.: Einführung in die Geologie des sächsischen Vogtlandes. Biewald, W. & Wunderlich, J.: Das Thüringer Schiefergebirge Bau und Entwicklung. Ein Überblick.
Das Mittagessen konnte in der Gaststätte des Egerland-Kulturhauses eingenommen werden.
Nach der Mittagspause fand die satzungsgemäße Mitgliederversammlung statt. Im Anschluß
daran wurden die Vorträge unter der Leitung von Herrn Reiff fortgesetzt:
Breiter, K.: Variskischer Granitmagmatismus und zugehörige Mineralisationen im Westteil der Region Kruné hory (Böhmisches Erzgebirge) und im Bereich Slavkovský les (Kaiserwald). Lehmann, U.: Angewandte Geologie am Beispiel des geplanten Abwasserstollens um
die Talsperre Eibenstock.
Nach der nachmittäglichen Kaffeepause (auch hierzu gab es Gebäckstücke) stellte Herr
Villinger kurz die Geologische Schulkarte von Baden-Württemberg 1:1 000 000 vor. Herr
Sonne übernahm den Vorsitz der letzten Vortragsreihe:
Klare, B., Menzel, D. & Schröder, B.: Fazies und Paläogeographie der Deckgebirgs sedimente am SW-Rand der Böhmischen Masse. Peterek, A.: Reliefentwicklung, Tektonik und Vulkanismus während des Tertiärs und Quartärs im Fichtelgebirge und westlichen Egerer Becken. Burda, J. & Baburek, J.: Hydrogeologie des Westböhmischen Bäderdreiecks.
Die Vorträge endeten gegen 18.15 Uhr. Das Begleitprogramm, sonst nur halbtägig, bestand aus einer ganztägigen Exkursion. Sie begann nach der Tagungseröffnung um 9.30 Uhr. Unter der Leitung von Frau Gärtner vom
Städtischen Fremdenverkehrsbüro (welches auch die Route zusammengestellt hatte) fuhren
27 Teilnehmer über Konnersreuth und die Wallfahrtskirche Kappel zum Zisterzienserkloster
Waldsassen. Dort konnte der mit prächtigen Schnitzarbeiten verzierte Bibliothekssaal
besichtigt und der Orgel in der Barockbasilika gelauscht werden. Nach dem Mittagessen
wurden profanere Genüsse geboten: Die Gruppe besichtigte zunächst das Porzellanmuseum
in Hohenberg. Anschließend bot sich Gelegenheit, bei der Fa. Hutschenreuther Porzellan ab
Werk zu kaufen. Der Ausflug endete im Schnapsmuseum Marktredwitz mit der Verkostung
einiger Destillate. Alle Teilnehmer waren ob der Mixtur sehr zufrieden.
Am Abend sprach im Rahmen des Abendvortrages der Präsident des Bayerischen Geologischen
Landesamtes, Herr Schmid, zum Thema: "Die Bedeutung der Geologie für die Gesellschaft gestern und heute Aufgabenfelder des Bayerischen Geologischen Landesamtes und
seiner Außenstelle in Marktredwitz." Zur Antwort auf die allgemeine Frage: "Wozu geologische Forschung?" spannte er den Bogen von der Agrargesellschaft zu Beginn der Zeitrechnung bis zur heutigen Informationsgesellschaft. Im speziellen bayerischen Teil der Antwort
ging er auf die Anfänge des geologischen Dienstes in Bayern ein: Auf Mathias Flurl, der
1790 die erste bayerische geologische Karte veröffentlichte, auf die Gründung des staatlichen
geologischen Dienstes in Bayern im Jahre 1850, lange bevor in Preußen ein geologischer
Dienst gegründet wurde, und auf Carl Wilhelm von Gümbel, dessen 100. Todestag 1998
begangen wird. Die Aufzählung der zukünftigen Aufgabenfelder gipfelte in der von vielen
Zuhörern geteilten Feststellung, daß der Kartierer im Gelände durch keinen Display zu ersetzen ist.
Am Donnerstag begannen wie üblich die Ganztags-Exkursionen. Herr Berger vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie in Freiberg führte 47 Teilnehmer auf die Exkursion C "Zur regionalen Geologie des sächsischen Vogtlandes." Herr Berger führte an Hand von 4 Aufschlüssen das Paläozoikum des thüringisch-vogtländischen Faziesbereiches vor: Als erstes wurden die Unteren Graptolithenschiefer des Silurs im Steinbruch Haselrain bei Possek besucht. Trotz halbstündigen intensiven Steinespaltens wurde kein Graptolith gefunden. Als zweites wurde der Griffelschiefer der ordovizischen Gräfenthaler Gruppe bei Bobenneukirchen vorgestellt. Im dritten Stratigraphie-Aufschluß wurde die Weißelster-Gruppe der unterordovizischen Quarzitklippe "Altes Söll" in Schöneck, dem Balkon des Vogtlandes" vorgestellt. Über eine Treppe erreichte man die Aussichtsplattform, die einen weiten Blick zum Fichtelgebirge, dem Frankenwald und zum Thüringischen Schiefergebirge gewährte. Im vierten Stratigraphie-Aufschluß schließlich konnten im ehemaligen Steinbruch "Roter Bruch" bei Klingenthal-Brunndöbra magnetitführende kambrische Quarzite der Georgenthaler Schichten besichtigt werden. Dazwischen wurde am Vormittag der ehemalige Tagebau der Flußspatgrube Schönbrunn westlich Oelsnitz besucht, wo die Mineraliensammler auf ihre Kosten kamen und intensiv violett gefärbten Flußspat und Sternquarz aufsammeln konnten. Das Mittagessen wurde im "Haus am Ahorn" in Köttenheide eingenommen. Am letzten Exkursionspunkt, der aus einer vergreisten (topasierten), verquarzten und turmalinisierten Schieferbrekzie bestehenden Felsklippe "Schneckenstein" nördlich Klingenthal, kam der bestellte Wärter zu spät, der den Aufstieg zur Klippe ermöglichte. So konnte außerhalb der Umzäunung (die Klippe ist als "Flächenhaftes Naturdenkmal" ausgewiesen) Handstücke gesammelt werden. Unmittelbar neben der Felsklippe befindet sich der Eingang zur auflässigen Grube "Königskrone", der bedeutendsten Gewinnungsstätte für Topas im 18. Jahrhundert, wo u.a. auch Topase für August den Starken gewonnen wurden. Herr Berger erwies sich als fachkundiger und didaktisch kluger Exkursionsführer, der auch
während der Fahrt die Geologie schilderte und Erläuterungen z.B. zur Bildung des sächsischen Landesamtes nach der Wende gab.
Wie schon vorauszuahnen war, zog die Exkursion D "Hydrogeologie des Westböhmischen Bäderdreiecks" mit 70 Teilnehmern das größte Interesse auf sich. Geführt von Geologen des Tschechischen Geologischen Dienstes, Herrn Burda und Herrn Baburek, besuchten diese in 2 Bussen die Bäder Franzensbad und Karlsbad. Marienbad mußte ausgelassen werden, da die Exkursion am Abend pünktlich zurück sein sollte. Aber auch ohne dieses zeitliche Limit hätte es nicht zum Besuch Marienbads gereicht. Bereits die Grenzkontrolle in Schirnding zog sich in die Länge, da von allen Insassen die Ausweise eingesammelt wurden und obendrein ein Teilnehmer seine Papiere im Hotel vergessen hatte. Mehr als zwei der drei Bäder sind an einem Tag einfach nicht zu schaffen. Zunächst ging die Fahrt nach Franzensbad. Die Stadt ist geprägt von ockergelb getünchten
Gebäuden aus der Zeit der k. und k. Monarchie. Auf einem Rundgang wurden bei fröstelnder
Kälte einzelne Stationen der nach dem Kaiser Franz II benannten Stadt besucht: Vorbei am
Pavillon der Franzensquelle und der Statue eines Knaben mit einem Fisch, dem "Frantiek"
genannten Symbol des Kurortes ging es zum Hotel 3 Lilien, der ältesten Pension der Stadt, in
der auch Goethe schon genächtigt hat. Weiter ging es zum Kohlensäuregasbad, das von 2
Sphinx-Figuren am Eingang bewacht wird, und aus der Kernstadt heraus zur Halle der Glauberquellen, die bereits innerhalb der weitläufigen Parkanlagen liegt. In dieser Halle befinden
sich die Fassungen der Mineralwasserbohrungen Glauber III und IV und Kostelni (Kirchquelle). Die Fassungstechnik wird auf Schautafeln erläutert. Gegen eine geringe Gebühr
konnten die Wässer verkostet werden. Sie schmeckten angenehm, im Bewußtsein der durchschlagenden Wirkung des Glaubersalzes blieb es jedoch bei kleinen Schlückchen.
Weiter führte der Rundgang über das zu Ehren des 1. Kurarztes (und eines der Gründer des Kurbades) errichtete Adler-Denkmal entlang eines kleinen Baches zur eisenhaltigen Zelesnatý-Quelle. Wer unbedingt wollte, konnte auch diese Quelle verkosten. Wieder am Ausgangspunkt des Rundganges angekommen, war auch der am Grenzübergang zurückgewiesene Teilnehmer eingetroffen; er hatte seine Papiere geholt und war mit dem Privatwagen nachgereist. Die weitere Exkursion fuhr er im Bus mit. Die Weiterfahrt zum Torfmoor Soos führte am quartären Vulkan des Kammerbühl vorbei. Soos liegt nordöstlich Franzensbad und ist so etwas wie das tschechische Yellowstone. Nachdem jeder Teilnehmer einzeln eine Eintrittskarte gelöst hatte, durfte das Naturschutzgebiet betreten werden. Knüppeldämme und Stege geleiteten zu blubbernden Mofetten, Austritte gasförmiger Kohlensäure: Als Austritt im Schlamm unterschiedlicher Konsistenz (sie schufen imposante, auf Linien angeordnete kleine "Vulkan"-trichter) oder als Austritt im Wasser, an den Blasen erkenntlich. Zweisprachige Schautafeln gaben Hinweise und Erläuterungen auf Sehenswürdigkeiten botanischer und zoologischer Art. Austretende Mineralwässer (Kaiserquelle) haben ein Brackwassermilieu entstehen lassen, in dem Kieselalgen heimisch wurden. So entstand im Moor ein Kieselgurlager. Außerhalb vom Naturschutzgebiet hatte ein kleines, auf das lokale Umfeld abgestelltes Naturkundemuseum die Türen geöffnet. Der dritte Exkursionspunkt lag bei Lomnice. Hier erläuterten die Exkursionsführer am Rande eines gestundeten Braunkohlentagebaues die Stratigraphie und Abbautechnik. Die mit rd. 8 % rekordverdächtige Schwefelkonzentration (der Tagebausee war dunkel-rotbraun gefärbt!) hat den Abbau im aufgeschlossenen Feld zum Erliegen gebracht. Er soll erst wieder aufgenommen werden, wenn für die Verstromung eine umweltverträgliche Technologie gefunden wurde. Um die Mittagszeit traf die Exkursion in Karlsbad ein. Vom Busparkplatz im Süden der Stadt wanderten die Teilnehmer Tepl-abwärts vorbei am Grand-Hotel Pupp, an exklusiven Geschäften und Boutiquen zum "Egerländer Hof" unweit des Sprudels, wo das Mittagessen eingenommen wurde. Die Fassade des Restaurants wurde zwar gerade mittels Preßlufthammer modernisiert. Dies tat der Qualität der Speisen jedoch keinen Abbruch. Am Nachmittag führte der Direktor des Quellenamtes Karlsbad, Herr Dr. Vylita, die Exkursion zu einzelnen Quellen: Zur Quelle Karl der IV, zum Mühlbrunnen, der auf der Quellenspalte liegt und wie die meisten Karlsbader Quellen nun durch eine flache Bohrungen gefaßt ist, und zur Mühlbrunnenkolonade, in der noch drei weitere Quellfassungen liegen. Höhepunkt und Abschluß war die Besichtigung der Sprudelkolonade mit der Sprudelfontäne. In Vitrinen entlang der Wände waren Mineralien und Gesteine ausgestellt. Wie in Franzensbad wurde hier die Gelegenheit genutzt, dem Besucher weitere Information zu geben. Ebenso konnte der Sprudel unterschiedlich temperiert verkostet werden. Bepackt mit Reisepräsenten - vom Becherovka über Karlsbader Oblaten bis zum Budweiser
Pils kehrten die Teilnehmer zu den Bussen zurück.
Die Exkursion E "Reliefentwicklung, Tektonik und Vulkanismus während des Tertiärs und
Quartärs im Fichtelgebirge und westlichen Egerer Becken" wurde ebenfalls mit 2 Bussen
durchgeführt (51 Teilnehmer). Da sich diese Exkursion im wesentlichen mit der
Geomorphologie befaßte und des Überblicks wegen freie Aussichtspunkte ansteuerte, hatte
sie morgens unter der kalten Witterung (selbst vereinzelte Schneeflocken waren zu sehen) zu
leiden. So ließ beim Halt 2 auf einer freien Hochfläche eisiger und stürmischer Wind die
Exkursionsteilnehmer bibbern. Herr Peterek wickelte jedoch ungerührt und souverän sein
Programm ab, obwohl der heftige Wind die Schaubilder am liebsten mit sich gerissen hätte.
Beim Halt 3 konnte die Tongrube Kreuzweiher nur vom Rand aus besichtigt werden, weil die Betriebsleitung das Betreten der Grube verweigert hatte, aus Sorge, die Teilnehmer könnten im schlammigen Gelände zu Schaden kommen. Nach der Vorführung schöner Basaltsäulen beim Halt 5 wurde die Mittagspause in Großbüchelberg verbracht, wo in einer Gaststätte die ausgekühlten Oberrheiner durch ein gutes und zügig serviertes Mittagessen erfreut wurden. Belebend wirkte vielleicht auch die Lage der Gaststätte über einer Verwerfung auf der Hochscholle, zumindest war diese Lage mit einer schönen Aussicht verbunden. Die Exkursion führte weiter über den Grenzübergang Schirnding (statt Waldsassen), wo man
nur einen 20-minütigen Aufenthalt hatte, obwohl zwei Personen der Ausweis fehlte. Der
Fahrer des großen Busses erreichte auf geheimnisvolle Weise, daß keine Paßkontrolle
stattfand. In Tschechien wurde der junge Basaltvulkan Kammerbühl (Halt 7) und das
Mofettenfeld bei Soos besucht (siehe Exkursion D). Kurz nach 18.00 Uhr war die Exkursion
in Marktredwitz zurück.
Am selben Abend fand um 20.00 Uhr der von der Bürgermeisterin per Einladung angekündigte Empfang im Historischen Rathaus statt. Am Eingang zum Ratsaal begrüßte Frau Dr. Seelbinder jeden Geladenen per Handschlag. In ihrer Rede schilderte sie die Geschichte der Stadt. Insbesondere ging sie auf die neuere Entwicklung ein, auf den Wettstreit mit Wunsiedel um den Sitz der Kreisverwaltung, auf die Sanierung des CFM-Geländes und auf die Euregio egrensis, die in der laufenden Woche zur Geo-Euregio egrensis mutierte. Am Ende ihrer Ansprache überreichte sie Herrn Stengel-Rutkowski und Herrn Schwerd je einen Pracht-Bierseidel. Und welch eine Ehre für den Verein der Vereinsvorsitzende durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen! Am Rand des Saales standen auf Stehtischen Platten mit Kanapees, auf einer Theke kalte Getränke vom Fruchtsaft über Frankenwein bis zum Sekt, vor dem Saal wurde aus zwei Fässern Bier ausgeschenkt, u.a. die dunkle Spezialsorte Zoigl, und in einem Nebenzimmer war ein kaltes und warmes Büfett aufgebaut. Dazu spielte eine junge Jazz-Combo alte Jazz-Klassiker. Wer wollte, konnte im Turmzimmer des Rathauses die Oskar-Gebhardt'sche Mineraliensammlung bestaunen. Eigentlich rechnet man in Zeiten leerer öffentlicher Kassen nicht mehr mit offiziellen Empfängen, umso überraschender war dieser Empfang. Marktredwitz tat alles, um sich positiv
im Gedächtnis der Oberrheiner zu verewigen.
Am Freitag begannen wie gewohnt um 8.00 Uhr die Exkursionen. Die Herren Riedel und Wenzel zeigten 27 Interessierten auf der Exkursion F "Angewandte Geologie in Südwestsachsen Folgeerscheinungen des Steinkohlenbergbaues im Raum Zwickau und Altlastenbehandlung an den Standorten Dänkritz/Lauenhain und Helmsdorf." Durch die weite Anfahrt (rd. 1 ¾ h) konnten nicht alle Exkursionspunkte besucht werden. Gegen 9.45 Uhr traf die Exkursion am 1. Halt, der Bockwaer Senke, ein. Nach einer kurzen Erläuterung der regionalen Geologie wurden die Teilnehmer von Herrn Bergwerksdirektor Lange und Herrn Kämpfer von der Erzgebirgischen Steinkohlen und Energiegesellschaft (ESTEG) in die Problematik eingeführt. Dem folgte die Besichtigung der Absetzteiche, des Becherteiches und der Pumpanlagen. Reges Interesse fanden technische Details und die Gründe, die zur Ablehnung alternativer Sanierungsansätze geführt hatten. Von dort ging es weiter zum Gasthof "Dänkritzer Schmiede", wo Herr Naubolt (Wismut GmbH) mit einer Einführung zur Sanierung der Hinterlassenschaften der Wismut wartete. Nachdem die Schuhe gegen Gummistiefel getauscht waren (damit sollte die Verschleppung kontaminierten Materials verhindert werden), folgte die Begehung der IAA Helmsdorf (im Exkursionsführer Halt 4). IAA steht, für westliche Ohren etwas ungewohnt, für "Industrielle Absetzanlage" oder kurz Absetzteich. Interesse fanden auch hier Fragen nach den Kosten, der Dimensionen, der möglichen Alternativen und der Akzeptanz in der Bevölkerung. Nach der Mittagspause im o.g. Gasthof wurde ein Verdauungsspaziergang auf die Halde der Hausmülldeponie Dänkritz unternommen (im Führer Halt 7). Von dort hatte man einen Überblick über die 3 IAA's des Gebietes und die Fäkaldeponie im Norden. Im Nordwesten reichte der Blick bis zu den Wismut-Halden bei Ronneburg. Insgesamt wurde für die gedrängte Zeit ein brauchbarer Überblick über die drängensten Umweltprobleme des Raumes und die geowissenschaftlichen Beiträge zu ihrer Lösung gegeben.
Dabei blieben auch Aspekte der geschichtlichen Entwicklung und die sozialen Probleme der
Gegenwart nicht unerwähnt.
Alle Mineralienfreunde und Bergbaubeflissene zog es zur Exkursion G "Variskischer Granitmagmatismus und zugehörige Mineralisation im Westteil der Region Kruné hory (Böhmisches Erzgebirge) und im Bereich Slavkovský les (Kaiserwald)." Herr Breiter vom Tschechischen Geologischen Dienst, ein fließend deutsch mit böhmischem Idiom sprechender Geologe, dem Aussehen nach er möge es verzeihen ein Verwandter von Spebl und Hurvinek, führte zunächst zu Aufschlüssen in den Kaiserwald. Ein 1. Halt wurde an einem im Abbau befindlichen Steinbruch wenig südöstlich Vitkov an der Straße nach Cistá eingelegt (war im Exkursionsführer nicht enthalten, im übrigen stimmen die Halte nicht mit der Numerierung im Exkursionsführer überein!). Hier wird ein Zwei-Glimmer-Granit gebrochen. Trotz rechtzeitiger Ankündigung der Exkursion wurde die Gruppe nach wenigen Augenblicken wieder aus dem Aufschluß hinauskomplimentiert. Der Steinbruch hatte wenige Tage zuvor den Besitzer gewechselt. Der neue Herr wußte von der Exkursion nichts und sah eine von der Bruchwand ausgehende Gefahr kritischer als der alte. Der im Exkursionsführer genannte 1. Halt am Zinn-Bergwerk Jeroným in Cistá fiel aus. Die
Fahrt führte weiter in die Umgebung der ehemaligen Zinnlagerstätte Krásno. Als 2. Halt
wurde der Steinbruch der Fa. KMK Granit Sokolov besucht (im Exkursionsführer: Halt 2,
Zinnlagerstätte Krásno, Vysoký Kámen Feldspat-Steinbruch). Der Besitzer begrüßte die
Teilnehmer sehr herzlich mit den Worten "Alles, was Sie sehen, können sie mitnehmen".
Das Gestein wird zu Gesteinspulver gemahlen und als Rohstoff an die Keramik-Industrie
geliefert. Der 3. Halt galt dem nur wenige hundert Meter südöstlich gelegenen Vysoký
Kámen Greisen-Steinbruch. Ganz eifrige Sammler fanden einige Zinnerzkügelchen. Die
meisten nahmen als Andenken verschmierte Schuhe mit, denn die Steinbruchsohle war mit
tertiärem Fremdmaterial verfüllt worden, grau-grüne Tone, welche, stark durchfeuchtet,
ebenso gut am Leder hafteten wie Kaugummi. Vom Rand des Steinbruchs aus war in einiger
Entfernung die Gebäude der aufgelassenen Zinnmine in Krásno und die alte Pinge des Hub
Stock zu sehen.
Die Weiterfahrt ins Erzgebirge führte an Loket (Elbogen) vorbei, einer mit Stadtmauer
umgebenen mittelalterlichen Stadt, die seit 1950 unter Denkmalschutz steht. Hier ist der
locus typicus der "Karlsbader Zwillinge", Zwillings-Kristalle von Orthoklas.
Der 4. Halt (Halt 6 im Führer) war auf dem Platz vor der (leider geschlossenen) historischen Münze in Jáchymov (Joachimsthal). Hier erläuterte Herr Breiter neben der Mineralisation der Joachimsthaler Erze die Geschichte der Stadt, die ihre Gründung Silberfunden verdankt und deren Blüte oder Niedergang vom Bergbau auf jeweils unterschiedliche Erze abhängig war. Weltweit bekannt wurde die Stadt durch die Prägung der Thalers aus Joachimsthaler Silber, ebenso durch die Entdeckung der Elemente Polonium und Radium durch Marie Curie: Sie verwendete Pechblende aus Joachimsthal. Ein tiefer Einschnitt vollzog sich nach dem 2. Weltkrieg mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Der Niedergang der Stadt beschleunigte sich, als 1962 das letzte Erz gefördert wurde. Nach dem Zerfall des Warschauer Paktes blieben die Kurgäste aus der ehemaligen DDR weg, die kritische Einstellung zur Radonbad-Therapie spätestens seit den 80er Jahren trug ebenfalls zum Rückgang der Kurgäste bei. Die Bausubstanz zerfiel mehr und mehr. In den letzten Jahren wurden die baufälligsten Gebäude abgerissen. Während Herr Breiter referierte, umschwirrte eine junge Fledermaus im Tiefflug die Zuhörer. Sogleich wurden unterschiedliche Theorien für ihr Fehlverhalten geboren. Vielleicht war sie noch jung und absolvierte ihre ersten Flugstunden? Oder hatte sie sich zu lange in der radonhaltigen Luft von Schächten und Stollen aufgehalten? Bevor die Busse weiterfuhren, blieb noch eine Viertelstunde Zeit für den Besuch eines auf
Joachimsthaler Mineralien und Bergbauliteratur spezialisierten Andenkenladens.
Auf dem steilen Anstieg von Joachimsthal nach Bozí Dar (Gottesgab), welches auf dem Kamm des Erzgebirges liegt, sah man im Wald neben der Straße noch Schneereste. In Bozí Dar, Grenzübergang nach Sachsen, wurde im Gasthaus Bernard zu Mittag gegessen. Der Weg zum nächsten Halt führte westlich Gottesgab an einem alten Bergbaugebiet und an
einem Torfmoor vorbei (Halt 4 und 5 im Führer). Ein 10-minütiger Fußmarsch durch den
Hochwald führte zu einem Aussichtspunkt, von wo aus das sächsische Johanngeorgenstadt
zu sehen war. Wenige 10er Meter hangabwärts weiter westlich lag der nächste Halt, Halt 5,
der aufgelassene Zinnerz-Tagebau "Vlcí pinka". Hier wurden sog. Gang-Greisen abgebaut,
wodurch schmale, nur wenige Meter breite, dafür mehrere 10er Meter tiefe und über mehr
als 100 Meter lange Hohlformen geschaffen wurden. Über Stufen gelangte man abwärts in
den Abbau bis dahin, wo der Schnee vom letzten Winter den Weg versperrte. Auf einer Tafel
konnte man lesen, daß für die Verwundeten der Völkerschlacht Mitte Oktober 1813 Eis zum
Kühlen der Wunden aus diesen Pingen geholt wurde. Während man sich hangabwärts dem
Ort Horní Blatná (Bergstadt Platten) näherte, boten alten Halden Gelegenheit zum Mineraliensuchen. Bereits am schachbrettartigen Grundriß mit der Kirche im Zentrum ließ sich
erkennen, daß der seit dem 15. Jahrhundert bestehende Ort als Bergbaustadt gegründete
wurde. Heute bietet Horní Blatná einen noch trostloseren Anblick als Joachimsthal. Offensichtlich ist kein Geld vorhanden, um über die Jahre unbewohnbar gewordene Häuser zu
sanieren oder abzureißen. Nur wenige Häuser waren zu sehen, die nach 1945 erbaut wurden.
Fehlende Umweltstandards verschärfen den desolaten Eindruck. Nicht nur in Horní Blatná,
sondern auch in anderen Dörfern hält man sich ein Auto und stellt ein oder zwei Wracks als
Ersatzteilquelle in den Vorgarten. Und in der Luft der Geruch von Braunkohlen-Brand. Hier
schien die Zeit seit 1989 stehen geblieben zu sein.
Auf der Rückfahrt nach Marktredwitz wurde in Loket (Elbogen) der letzte Halt gemacht. Bei
einer Führung zum leider nicht geöffneten Schloß bewährte sich Herr Breiter als Fremdenführer mit guten Geschichtskenntnissen. Der Abstieg vom Schloß versöhnte die Mineralienfreunde, die am liebsten morgens schon Karlsbader Zwillinge gesucht hätten: Im Hanganschnitt einer Baugrube waren im grusig verwitterten Granit mit etwas Glück derartige
Zwillinge zu finden.
51 Teilnehmer lernten unter der Führung von Herrn Biewald von der Thüringischen Landesanstalt für Geologie das Schwarzburger Antiklinorium kennen (Exkursion H). Auf der recht langen, landschaftlich z.T. sehr reizvollen Anfahrt gab Herr Biewald Hinweise zur durchfahrenen Landschaft und führte in das Exkursionsprogramm ein. Unter anderem beleuchtete er aus der Sicht eines Projektgeologen vor und nach der Wende die wirtschaftlichen Hintergründe der beiden auf dem Programm stehenden ingenieurgeologischen Großprojekte, die Trinkwassertalsperre Leibis-Lichte und das Pumpspeicherwerk Goldisthal. Spaß machte auch das Zuhören bei seinen kenntnisreichen Exkursen zur Regional- und Wirtschaftsgeschichte, vor allem zur Goldgewinnung aus Quarzgängen und Seifen sowie zu den thüringischen (post-Böttgerschen) Porzellanmanufakturen. Am Halt 1, Bohlen bei Saalfeld, stieß Herr Wunderlich, ebenfalls von der Thüringischen Landesanstalt für Geologie, als 2. Führer zur Exkursion und übernahm einen Teil der Präsentation dieses großartigen, riesigen Aufschlusses, da Herr Bartzsch, der eigentliche Kenner des Bohlen, der Verspätung wegen einen anderen Termin wahrzunehmen hatte. Im Informationszentrum Unterweisbach stellte Herr Schirmer von der Thüringer Talsperrenverwaltung das Trinkwassertalsperrenprojekt Leibis-Lichte anhand eines Geländemodells
sehr anschaulich vor. Ein Großflächenschurf im Bereich der Talsperrenaufstandsfläche bot
Anlaß zu interessanten Diskussionen. Nach Wegfall der Halte 3 und 4 kam die Exkursion
mit halbstündiger Verspätung zum Mittagessen. Die Aufschlüsse an der Umgehungsstraße
des Pumpspeicherwerks Goldisthal wurden vielseitig aus stratigraphischer, tektonischer und
geotechnischer Sicht erläutert, ebenso wie die eigenartigen Zechstein- und
Buntsandsteinspezialgräben der Halte 7 und 8. Gegen 18.00 Uhr fuhr die Exkursion zum
Tagungsort zurück, wo die Teilnehmer gegen 20.15 Uhr zufrieden und müde vom
Gesehenen und Gehörten eintrafen.
Für Oberrhein-Tagungen ungewohnt fanden am Samstag noch 3 Exkursionen statt. 49 Teilnehmer ließen sich von Herrn Zulauf, Universität Frankfurt, und Herrn Vejnar, Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag, die geologische Entwicklung des Tepla-Kristallins und des Marienbader Komplexes vorführen (Exkursion I). Die Fahrt führte über Mitterteich-Tirschenreuth zum Grenzübergang Mähring, wo nur kurz auf die Abfertigung gewartet werden mußte, über steppenartige Grashochflächen mit kleinen Waldstücken und einer sanften Hügellandschaft zum 1. Aufschluß, einem Gabbro-Steinbruch im Wald, rd. 800 m südwestlich von Výkovice. Während Herr Zulauf die komplizierte Tektonik und die Abfolgen unterschiedlicher Metamorphite erklärte, setzte zunehmend Regen ein. Ergänzende Erklärungen gab Herr Vejnar, der sich, von einem Chauffeur gefahren, der Exkursion seit der Grenze angeschlossen hatte. Nach längerer Fahrt ging es zu Straßenaufschlüssen entlang einer steil in das Teplá-Tal hinabführenden Gebirgsstraße (Halt 2). Ein kühner Autofahrer hatte eine der Kurven verfehlt und dabei sein Leben beendet, sein Fahrzeug lag tief unten am Hang. Die Granatamphibolite mit Resten von Eklogit und leukokraten Einschlüssen wurden mit Interesse studiert. Ein aufgelassener Steinbruch (Halt 3) in lichtem Wald rd. 700 m nordwestlich Tepla war bereits stark zugewachsen und hatte wie so oft schon als Müllkippe gedient. Das nordwestliche Teplá-Kristallin präsentierte sich hier in hochmetamorphen Sillimanit-führenden Paragneisen. Schließlich konnten beim Halt 4 südöstlich des Prämonstratenserklosters Teplá echte Orthogneise studiert werden. Zunehmend kam die Sonne durch die Wolken und beleuchtete die an Wasservögeln reichen Teiche am Aufschluß. Das Mittagessen wurde in der geräumigen Klosterschänke des Klosters Teplá eingenommen. Wenn auch die Klosterkirche und Nebengebäude noch der Restaurierung harren, so war doch das für Busexkursionen geeignete Gaststättengebäude frisch renoviert. Die Abfertigung erfolgte zügig und mit einem Gläschen Becherovka zum Abschied. Leider mußte auf die beiden letzten Aufschlüsse, die im Exkursionsführer aufgeführt waren,
verzichtet werden, weil die Teilnehmer bis 16.00 Uhr wieder am Ausgangspunkt sein
mußten die Exkursion war ursprünglich nicht für den Samstag mit verkürzter
Exkursionszeit bestimmt gewesen. Die Teilnehmer waren sich einig, daß sie eine sehr gute
Führung erhalten hatten.
Mit nur 26 Teilnehmern hatte die Exkursion J "Granitoide des Fichtelgebirges: Magmengenese und hydrothermale Alteration" den geringsten Zuspruch. Die Exkursion behandelte keine "ollen Kamellen", vielmehr wurden neueste Forschungsergebnisse zur Platznahme der Granite und der Redwitzite vorgestellt. Und der Exkursionsleiter, Herr Hecht, hätte mehr Zuhörer verdient, da er es vorzüglich verstand, sie durch einen gekonnten Vortragsstil zu fesseln. Herr Hecht wurde assistiert von Frau Freiberger, deren Diplomarbeitsgebiet im Fichtelgebirge lag, sowie von Herrn Rohrmüller vom GLA in München. Herr Hecht hielt sich genau an den Exkursionsführer: Am Vormittag wurden Halt 1, ein Granit-Steinbruch, der von der Ferne wegen seiner horizontalen Entlastungsklüfte wie ein Steinbruch im Sandstein aussah, bis Halt 3 besucht, der als Naturdenkmal ausgewiesene Steinbruch am Fuchsbau. Letzterer mußte über unbekannte und z.T. unbefestigte (!) Waldwege angefahren werden, da der vorgesehene Weg gesperrt war. Der geschickliche Fahrer steuerte den durchschnittlich großen Bus um alle Ecken und Glück des Tüchtigen! traf immer auf geöffnete Schranken und mußte auch nicht unvorhergesehen wenden. Das Mittagessen wurde in der Gaststätte "Wunsiedelei" eingenommen, einer ehemaligen Klein-Brauerei in Wunsiedel. Auf der Fahrt dorthin schilderte Herr Hecht die Bedeutung der Stadt Wunsiedel für die Steinbearbeitung. U.a. wurde von einem Herrn Reul, dem späteren Bürgermeister von Wunsiedel, die Politur von Steinflächen "wieder"-erfunden. Zwar konnten bereits die Griechen und Römer Steine polieren. Die handwerkliche Technik ging aber in späteren Jahren verloren. Am Nachmittag wurde der Steinbruch an der Kösseine besucht (Halt 4), der bei der
Halbtags-Exkursion A von Herrn Mielke (dort Haltepunkte A4) ausfallen mußte. Die Halte
5 und 6 im Exkursionsführer fielen zugunsten des (nicht im Führer behandelten) Baustellen-Aufschlusses an der Trasse der A 93, der Abfahrt Marktredwitz, aus. Dort waren in einem
Einschnitt riesige rundliche Redwitzit-Blöcke bis zur Größe von Wohnzimmern
aufgeschlossen, entstanden durch Wollsackverwitterung und von Baumaschinen so gut es
ging herauspräpariert. Teilweise lagen sie noch in situ, so daß die Entstehung der runden
Formen nachvollzogen werden konnte. Da der Ausgangspunkt der Exkursion nur wenige
hundert Meter entfernt lag, konnte in diesem einmaligen (und leider nur temporären)
Aufschluß bis zum Zeitlimit verweilt und diskutiert werden. Die Exkursion traf gegen 16.15
Uhr wieder am Ausgangspunkt ein.
Herr Schröder zeigte 35 Teilnehmern auf der (in der alphabetischen Reihenfolge) letzten Exkursion K das "Permomesozoikum des Vorlandes der Böhmischen Masse." Um es vorwegzunehmen: Es war eine sehr gut organisierte Exkursion, der als Hochschullehrer tätige Exkursionsleiter hat die geologische Entwicklung und die mit ihrer Erforschung verbundenen Probleme auch anhand guter Abbildungen anschaulich machen können. Halt 1 mit einem Landschaftsüberblick und Halt 2 in einem Buntsandsteinaufschluß wurden programmgemäß abgewickelt. Am Halt 3, der Keupertongrube westlich von Seybothenreuth, stießen Herr Vogel von der Betreiberfirma, Herr Schillinger und Herr Gebert von der Landesgewerbeanstalt dazu und ergänzten die Ausführungen der Exkursionsleitung. Herr Vogel begrüßte zunächst die Gruppe und referierte kurz über die Geschichte der Tongrube. Anschließend lieferte Herr Schillinger einen allgemeinen geologischen Überblick über die Schichtenfolge in der Grube. Die Ausführungen wurden von Herrn Gebert mit Angaben zur Mineralogie der Tonsteine (Illit ~90 %, Kaolinit ~8-9 % u.a.) und deren Aufbereitung für Deponieabdichtungszwecke ergänzt. Es schloß sich eine rege Diskussion an, in der Fragen zur Standfestigkeit, Dichte, Porenvolumen, Wärmebeständigkeit und Einbauverfahren des Tonmaterials gestellt wurden. Um 11.45 Uhr fand sich die Exkursion zur Mittagspause in einem Gasthof ein, bereits um
13.00 Uhr, nach einem guten Essen, startete der Bus zur Ziegeleigrube Barbaraberg (Halt 5),
in der die Sammler auf ihre Kosten kamen (Steinsalzpseudomorphosen, Sedimentstukturen).
Aufgrund des engen Zeitrahmens wurde der Halt 6, Kiesgrube Zessau, gestrichen, dafür
erfolgte ein Halt bei Eichelberg, bei dem der landschaftliche Aufbau (Keuper-Schichtstufe)
erläutert wurde. An Stelle der Kiesgrube Friedersreuth (Halt 7) wurde ein aktuell gut aufgeschlossenes Straßenprofil nahebei vorgeführt. Der letzte Halt 8 wurde wegen der zunehmend
schlechteren Sicht und verstärkten Regens stark verkürzt, so daß die Exkursion pünktlich in
Marktredwitz zurück war.
Soweit der Bericht von der Tagung 1998 in Marktredwitz. Die Tagung fand guten Zuspruch,
auf 11 Exkursionen wurde viel Neues vorgestellt. Selbst am Samstag nahmen noch 110 Personen an Exkursionen teil. Neu war, daß bis auf den Vortrag von Herrn Lehmann und die
Exkursion F die Exkursionsthemen auch Gegenstand der Vorträge am Mittwoch waren. Ein
Umstand, der sicher von den Nicht-Teilnehmern begrüßt wird, können sie doch so die Vorträge in den Jahresberichten und Mitteilungen nachlesen.
Noch während der Tagung teilte die Stadt Marktredwitz dem Verein mit, daß sie die Tagungsräume samt Infrastruktur unentgeldlich zur Verfügung stellt. Zusammen mit dem Empfang bei der Bürgermeisterin trägt diese großzügige Geste dazu bei, daß Marktredwitz einen besonderen Platz als gastfreundliche Stadt in der Tagungsgeschichte des Vereins erhält. Der Entschluß, in Marktredwitz zu tagen, war rundherum ein richtiger Entschluß gewesen! |
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