Miscellanea aus dem Nusplinger Plattenkalk
(Ober-Kimmeridgium, Schwäbische Alb)
11. Ein Blattrest mit Abdrücken von Gallen
Miscellaneous from the Nusplingen Lithographic Limestone
(Upper Kimmeridgian, Swabian Alb).
11. A leaf fragment with imprints of galls
Von Günter Schweigert & Gerd Dietl
Mit 3 Abbildungen
Zusammenfassung
Aus dem Nusplinger Plattenkalk wird eine eindeutige Insekten-Pflanzen-Beziehung in Gestalt zweier rundlicher, kohliger Höfe auf dem Fragment eines Bennettiteen-Blatts beschrieben, die höchstwahrscheinlich auf eine Gallenbildung zurückgehen. Der vorliegende Fund stellt den ersten eindeutigen Nachweis einer Insekten-Pflanzen-Beziehung aus dem süddeutschen Oberjura dar.
Abstract
Round, coalified coronas are reported from the fragment of a bennettitalean leaflet in the Upper Kimmeridgian Nusplingen Lithographic Limestone. Most likely these undoubted insect-plant interactions originally represented galls. The present find is the first record of an insect-plant-interaction in the Upper Jurassic of South Germany.
Einleitung
Der Nusplinger Plattenkalk stellt eines der bedeutendsten Fossilvorkommen im Oberjura Süddeutschlands dar (Dietl & Schweigert 1999, 2001, 2004). Dies gilt auch insbesondere hinsichtlich jurazeitlicher Landpflanzen. Im Unterschied zu den klassischen Plattenkalkvorkommen im Fränkischen Jura bei Solnhofen und Eichstätt sind Landpflanzen im Nusplinger Plattenkalk nämlich nicht nur wesentlich häufiger, sondern in bestimmten Lagen sogar noch in organischer Substanz erhalten. Dadurch sind dann anatomische Strukturuntersuchungen möglich, die allerdings leider bisher kaum durchgeführt wurden (Mutschler 1927; Schweigert & Dietl 2006). Eine systematische Bearbeitung des seinerzeit vorliegenden Materials erfolgte durch Mutschler (1927). Die bei den Grabungen des Stuttgarter Naturkundemuseums geborgenen Neufunde wurden im wesentlichen anhand makroskopischer Vergleiche mit publiziertem Material aus dem französischen Oberjura (Barale 1973, 1981, 1982; Barale & Doludenko 1994) provisorisch bestimmt, sodass Dietl & Schweigert (2001) bereits eine weit umfangreichere Auflistung zusammenstellen konnten.
In der Grabungskampagne des Jahres 2008 wurden teilweise bituminöse Plattenkalke der Schichten C und D (vgl. Profil in Dietl et al. 1998) abgebaut. Dabei kam auch eine größere Anzahl an Pflanzenresten zum Vorschein. Diejenigen aus der Schicht C waren häufig stärker fragmentiert. Neben recht häufigen Teilblättchen von Wedeln des Farnsamers Cycadopteris jurensis (Kurr) Hirmer, verschiedenen schuppenblättrigen Koniferenzweigen (Brachyphyllum spp.), Zapfenschuppen (Araucarites spp.) und Treibhölzern kamen untergeordnet auch Teilblättchen der Bennettitee Zamites feneonis (Pomel) Ettingshausen zum Vorschein. Überraschenderweise fanden sich auf einem davon Strukturen, die wohl als Pflanzen-Insekten-Interaktion gedeutet werden müssen (Abb. 1). Trotz der Vielzahl an Pflanzenfunden im Nusplinger Plattenkalk wurde sonst nie etwas Vergleichbares entdeckt.