seit 1871 Kurzfassungen der Jahresberichte und Mitteilungen: NF 92: 2010
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Über einen besonderen Knochenfund
aus den mittelpleistozänen Mosbach-Sanden/Hessen –
ein Beitrag zur Pathologie
von Ursus deningeri Reichenau, 1904

(On a special bone discovery
from the Middle Pleistocene Mosbach-Sands/Hesse –
a contribution to the pathology
of Ursus deningeri Reichenau, 1904)

Von Doris Döppes & Wilfried Rosendahl

Mit 5 Abbildungen

Zusammenfassung

Im Museum Wiesbaden befindet sich die älteste Sammlung von Großsäugerresten aus den mittelpleistozänen Mosbach-Sanden (Hessen). Unter den dort ­aufbewahrten Funden vom Deninger-Bär (Ursus deningeri Reichenau, 1904) befindet sich auch eine linke Ulna mit auffälligen pathologischen Veränderungen. Zwei unregelmäßige Vertiefungen auf der Oberfläche des Knochenschaftes werden beschrieben und die Gründe für ihre Entstehung diskutiert.

Abstract

The oldest collection of large mammal bones from the Middle Pleistocene ­Mosbach Sands (Hesse) is hosted in the Museum Wiesbaden. The present work describes the pathological modifications on the lateral bone surface of an ulna of Ursus deningeri Reichenau, 1904. Furthermore the causes of the irregularly ­elliptically shaped depressions with light swellings on the diaphysis will be dis­cussed.

Einleitung

Die Mosbach-Sande bei Wiesbaden sind eine international bekannte und sehr bedeutende paläontologische Fundstelle für das Mittelpleistozän. Skelettreste aus diesen Flussablagerungen werden weltweit zum Vergleich mit Funden ähnlicher Zeitstellung herangezogen (Keller 2002). Die Mosbach-Sande haben ihren Namen von der heute nach Wiesbaden eingemeindeten Ortschaft Mosbach. Dort wurden die Ablagerungen vor allem entlang der heutigen Biebricher Allee in zahlreichen Sand- und Kiesgruben abgebaut. Zu den ersten Fossilfunden aus den Mosbach-Sanden zählen vor allem Lesefunde, die meist von den Sandgrubenbesitzern oder deren Vorarbeitern aus den Abraumhalden geborgen wurden. Etliche dieser Fundstücke gelangten ab Mitte des 19. Jh. in das nahe gelegene Museum Wiesbaden (Czysz 2004). Ein syste­matisches Sammeln wurde erst durch August Römer, von 1886 bis 1899 Konser­vator im Wiesbadener Naturhistorischen Museum, begonnen. Mit seinen kost­baren Funden baute er eine Sammlung auf, die im Jahr 1888 zum Großteil vom Museum Wiesbaden angekauft wurde. Nach dem Tod von August Römer im Jahr 1899 erwarb das Museum die restliche Sammlung des ehemaligen Konservators, die anschließend von Eduard Lampe, seinem Nachfolger, betreut und mit zahlreichen weiteren Schenkungen und Ankäufen ausgebaut wurde. Auch im 20.Jahrhundert gelangten immer wieder Funde über Schenkungen und Aufsammlungen, vor allem aus den Abbaugebieten der Firma Dyckerhoff, in das Museum. Mehrere Stücke stammen z. B. aus dem Jahre 1978.

Mit fast 2000 Fossilfundstücken befindet sich heute in der Naturwissenschaftlichen Sammlung im Museum Wiesbaden die älteste Sammlung aus den Mosbach-Sanden (Czysz 2004). Weitere nennenswerte Sammlungen im Rhein-Main-Gebiet sind das Naturhistorische Museum Mainz mit der größten Sammlung (über 15000 Stücke) und das Senckenberg-Museum in Frankfurt. Dass so viele Funde aus den Mosbach-Sanden bekannt geworden sind, ist deren wirtschaftlicher Nutzung bis in die jüngste Zeit zu verdanken. Nur so waren großflächige Einblicke in diese Ablagerungen möglich. Fundstelle

Die Sande wurden vom Ur-Main abgelagert und lassen sich in zwei unterschiedlich große Einheiten bzw. Schüttungskörper untergliedern (Keller 2001, 2002, Keller & Radtke 2007; Abb. 1). Bei der unteren Einheit, das so genannte „Grobe ­Mosbach“, handelt es sich um eine Wechsellagerung von groben bis feinkörnigen Sedimenten sowie feinkörnigen Dolinenfüllungen. Das „Grobe Mosbach“ wird ins ­Altpleistozän datiert. Die Fauna aus dieser Einheit ist im Allgemei­nen arten- und individuenarm. Typische Tiere sind z.B. das Altmammut (Mam­muthus ­meri­dio­nalis) und das Etruskische Nashorn (Stephanorhinus etruscus). Die jüngere Einheit der Mosbach-Sande wird als „Graues Mosbach“ bezeichnet. Es handelt sich um grobe bis feinkörnige Sedimente mit einem deutlichen Kalkgehalt (Abb. 2). Das „Graue Mosbach“ ist deutlich jünger als das „Grobe Mosbach“ und wird in die jüngere Hälfte des Mittelpeistozäns (Cromer-Komplex, etwa 500.000 Jahre vor heute) datiert. Die beiden Mosbach-Einheiten sind also durch eine Schichtlücke getrennt.

Früher wurde noch eine dritte Einheit ausgegliedert, das so genannte „Mosbach III“. Neue Forschungen zeigen aber, dass diese Unterteilung nicht aufrecht­erhalten werden kann und dass „Mosbach III“ Teil des „Grauen Mosbach“ ist (Keller & Radtke 2007). Aus dem „Grauen Mosbach“ sind neben Pflanzen, Mollusken, Fisch- und Vogelresten etwa 63 Säugetierarten bekannt (Koenigswald & Heinrich 1999). Die Großsäugerfauna ist ökologisch uneinheitlich und beinhaltet sowohl Wald-, Steppen- und Flussbewohner wie auch Kaltzeittiere. Einige für das Mittel­pleistozän typische Tierarten wurden an Funden aus den Mosbach-Sanden erstmalig beschrieben. Die Fundstelle ist Typuslokalität für das große Mosbach-Pferd (Equus mosbachensis), für den kleinen Mosbach-Wolf (Canis lupus mosbachensis) oder den Deninger-Bär (Ursus deningeri).

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