seit 1871 Kurzfassungen der Jahresberichte und Mitteilungen: NF 91: 2009
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Erd- und gebäudeseitige Rahmenbedingungen
eines 1974 in Schönaich (Kreis Böblingen)
errichteten Erdwärmesondenfeldes mit fünf Koaxialsonden –
ein Beitrag zur Geschichte der oberflächennahen
Geothermie in Europa

Earth- and buildingsided characteristics
of a geothermal energy field with five coaxial tubes erected
in 1974 in Schoenaich (County of Boeblingen) –
a contribution to history for near-surface geothermic drilling
in Europe

Von Eric Moegle

Zusammenfassung

Die frühesten bislang dokumentierten Erdwärmesondenbohrungen in Mitteleuropa wurden von der Gungl-Bohrgesellschaft, Renningen, im Spätsommer 1974 in Schönaich (Kreis Böblingen) ausgeführt. Für die Umrüstung eines bestehenden Gebäudes zur monovalenten Beheizung mit einer erdgekoppelten Wärmepumpe wurden fünf Erdwärmesonden mit 50-55 m Tiefe installiert. Die Anlage wurde ca. 30 Jahre betrieben und nach heutigen Anforderungen war bereits eine VDI-Konformität hinsichtlich der Temperaturdifferenzen zwischen Soletemperatur und ungestörter Untergrundtemperatur gegeben. Bisher wurde davon ausgegangen, dass die ersten Erdwärmesonden um 1980 in Deutschland und der Schweiz ausgeführt wurden (Sanner 1996, 2006).

Abstract

The earliest to date documented geothermic drilling for borehole heat exchangers in middle Europe was completed in late summer of 1974 by the ”Gungl Bohrgesellschaft“, a drilling company located in Renningen. Converting an existing building in Schoenaich (County of Boeblingen) into a monovalent heating system in combination with an earth coupled heat pump the Gungl Company installed in 50-55 meters depth five geothermic tubes. The construction was successfully operated for approximately 30 years up to the nowadays standards of the so called ”VDI-Conformity“. Such ”VDI-Conformity“ concerning the temperature difference between the sole temperature and the undisturbed bedrock was even back then already given. Until now it was assumed, that the first geothermic tubes in Germany and Switzerland where installed around 1980 (Sanner 1996, 2006).

Einleitung

Anlass zu Überlegungen für eine effiziente Möglichkeit zur Gebäudeheizung mit dem Erdreich als Wärmequelle gab die Ölkrise des Jahres 1973. Grundüberlegungen für die monovalente Wärmeversorgung von Gebäuden waren die Lehmhäuser in ariden Gebieten, die über den Lehm als Speichermedium und die Verdunstungskälte für eine angenehme Raumtemperatur auch bei über 40°C Außentemperatur sorgen. Die Firma Gungl-Bohrgesellschaft, Renningen, und das Architekturbüro Schrade, Schönaich, haben aufgrund der prognostizierten geologischen bzw. hydrogeologischen Gegebenheiten am avisierten Standort Schönaich, Kelterweg 43, ein geschlossenes System mit dem Erdreich als Wärmequelle favorisiert und gemeinsame Überlegungen zur Umsetzung angestellt. Bereits seit 1972 wurden einige sog. geothermische Brunnenanlagen durch die Gungl-Bohrgesellschaft im Raum Stuttgart installiert. Am nordwestlichen Ortsrand von Schönaich war jedoch mit ausreichendem Grundwasserdargebot erst in ca. 40 m Tiefe zu rechnen, so dass ein geschlossenes System mit vertikalen Sondenrohren als Wärmetauscher naheliegend war, um eine konstante Quellentemperatur zu gewährleisten.

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