seit 1871 Kurzfassungen der Jahresberichte und Mitteilungen: NF 89: 2007
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Dactylioceras (Eodactylites) holandrei (d'Orbigny, 1844) (Ammonoidea, Dactylioceratidae) aus dem Ober-Pliensbachium (Unterer Jura) von Bisingen (Baden-Württemberg)

Von Michael W. Maisch

Mit 2 Abbildungen

Zusammenfassung

Aus dem obersten Pliensbachium (oberer Costatenkalk, spinatum-Zone) von Bisingen (Baden-Württemberg) wird erstmals der dactylioceratide Ammonit Dactylioceras (Eodactylites) holandrei (d'Orbigny, 1844) beschrieben. Es handelt sich um den zweiten Nachweis eines Dactylioceratiden aus dem südwestdeutschen Ober-Pliensbachium überhaupt. Ein weiteres Exemplar vom Bahnhof Zollern bei Hechingen wurde von Schmidt-Effing (1972) besch rieben und der Art Dactylioceras (Eodactylites) pseudocommune (Fucini, 1935) zugeordnet.
Eine regionale biostratigraphische Betrachtung zeigt, dass die Vergesellschaftung von Dactylioceratiden und Amaltheiden in den oberen Costatenkalken, ebenso wie das Auftreten anderer Ammonitengruppen im Pliensbachium/Toarcium-Grenzbereich, darauf hindeuten, dass die lithologische Grenze zwischen Lias delta und Lias epsilon in Südwestdeutschland nicht zwangsläufig mit der Pliensbachium/Toarcium-Grenze gleichgesetzt werden muss.

Abstract

For the first time, the dactylioceratid ammonite Dactylioceras (Eodactylites) holandrei (d'Orbigny, 1844) is described from the uppermost Pliensbachian (upper Costatenkalk, spinatum-zone) of Bisingen (Baden-Württemberg). It is the second record of a dactylioceratid from the Upper Pliensbachian of southwestern Germany. Another specimen was described by Schmidt-Effing (1972) from the Bahnhof Zollern section at Hechingen and referred to Dactylioceras (Eodactylites) pseudocommune (Fucini, 1935). A regional biostratigraphic discussion shows that the association of dactylioceratids and amaltheids in the upper Costatenkalk, as well as the occurrence of other ammonite groups across the Pliensbachian/Toarcian boundary, indicate that the lithological border between Lias delta and Lias epsilon in southwestern Germany must not necessarily coincide with the Pliensbachian/Toarcian boundary.

Einleitung

Die Ammonitenfamilie der Dactylioceratiden ist in ihrer zeitlichen Verbreitung im Wesentlichen auf das Pliensbachium und Toarcium beschränkt, wenngleich einige frühe Vertreter bereits im Ober-Sinemurium nachgewiesen wurden. Im süddeutschen Jura finden sich Dactylioceratiden aus der Unterfamilie der Coeloceratinae bereits im Unter-Pliensbachium stellenweise häufig, wo die Arten Coeloceras pettos (Quenstedt, 1843) und Prodactylioceras davoei (Sowerby, 1822) auch Leitwert besitzen (Schlatter 1980).
Echte Dactylioceraten, also Angehörige der Gattung Dactylioceras und ihrer Untergattungen (Eodactylites, Orthodactylites, Dactylioceras s. str.) sind hingegen fast ausschließlich aus dem Unter-Toarcium bekannt, wo vor allem Orthodactylites und Dactylioceras, sowie - seltener - Nodicoeloceras, Catacoeloceras, Peronoceras und Collina vorkommen. In den tethyalen Ammonitenfaunen sind hingegen Dactylioceraten, vornehmlich der Untergattung Eodactylites, bereits im Ober-Pliensbachium (Domerium) zwar individuenarm, aber artenreich vertreten.
Bisher gelang aus dem süddeutschen Jura erst ein einziger noch belegbarer Nachweis eines solchen frühen Dactylioceraten. Ein Exemplar von Dactylioceras (Eodactylites) pseudocommune (Fucini, 1935) wurde von H. Hölder in den Costatenkalken (Oberstes Pliensbachium, spinatum-Zone oder eventuell schon tenuicostatum-Zone - siehe Schlatter 1985) des Bahnhofs Zollern bei Hechingen gefunden und von Schmidt-Effing (1972) beschrieben.
In der vorliegenden kleinen Arbeit soll ein zweiter seltener Fund eines solchen frühen Dactylioceraten aus dem süddeutschen Jura vorgestellt werden. Es handelt sich um ein Exemplar von Dactylioceras (Eodactylites) holandrei (d'Orbigny, 1844) aus den obersten Costatenkalken des Straßeneinschnitts der Bundesstrasse 27 am Bisinger Berg bei Bisingen am Fuße der westlichen Schwäbischen Alb.

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