seit 1871 Kurzfassungen der Jahresberichte und Mitteilungen: NF 88: 2006
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Miscellanea aus dem Nusplinger Plattenkalk (Ober-Kimmeridgium, Schwäbische Alb) 7. Fossile Holzkohle

Von Günter Schweigert und Gerd Dietl

Mit 6 Abbildungen

Abstract

A fossil charcoal (fusit) is recorded for the first time from the Upper Jurassic of Germany. It comes from a bituminous layer of the Nusplingen Lithographic Limestone and is preserved with its anatomical structures. According to these microstructures it represents a conifer wood. The specimen indicates fossil wildfires caused by flashes.

Zusammenfassung

In der bituminösen Ausbildung des Nusplinger Plattenkalks konnte erstmals fossile Holzkohle nachgewiesen werden; gleichzeitig ist dies ein Erstnachweis für den Ober-Jura Deutschlands. Das strukturbietend erhaltene Holz stammt von einer Konifere. Der Fund belegt durch Blitzschlag ausgelöste Brände.

Einleitung

Im Gegensatz zum übrigen Ober-Jura der Schwäbischen Alb sind Pflanzenreste im Nusplinger Plattenkalk ausgesprochen häufig und sogar in recht beachtlicher Artenzahl belegt (Mutschler 1926; neueste Zusammenfassung aller bisher nachgewiesener Taxa in Dietl & Schweigert 2001: 70). Neben den Blatt- und Fiederresten verschiedener vermutlich krautiger Pflanzen wie Cycadeen, Bennettiteen und Pteridospermen oder schuppenblättriger Triebe und Zapfenschuppen von Koniferen kommen bisweilen auch Treibhölzer vor. Sie bestehen in der Regel aus dünneren Ästen mit einer Länge bis etwa 1 Meter oder dickeren, aber kürzeren, meist entrindeten Holzstücken. Diese sind stets gagatisiert, sofern überhaupt noch eine organische Substanz erhalten ist. Große, oft meterlange Baumstämme wie im unterjurassischen Posidonienschiefer fehlen hingegen. Nur in sehr seltenen Fällen findet sich auf den Holz- oder Zweigresten ein Bewuchs mit der kleinen Auster Liostrea socialis (Münster in Goldfuss). Aus diesen Befunden und aus der großen Häufigkeit der Pflanzenreste schließen wir auf deren Herkunft von kleinen Inseln in der Umgebung der Plattenkalk-Lagunen. Dies wird durch das Vorkommen isolierter Zapfenschuppen mit Bernstein unterstrichen, an denen nicht selten noch körniges Strandsediment in Gestalt von kleinen, gerundeten Kalkpartikeln festgeklebt war (Schweigert & Dietl 2003). Kohlenpetrographische Untersuchungen (Bantel et al. 1999) lieferten zwar bereits in einer Probe Nachweise für Huminite und Vitrinite, die höher reflektierenden Inertinite, die auf Holzkohle hindeuten, waren jedoch darin nur spärlich enthalten. Das diesbezüglich untersuchte Material war allerdings mit einer Probe pro Plattenkalkabschnitt lediglich stichprobenartig. Gegenüber marinen Alginiten sind Landpflanzenreste zwar mengenmäßig sicherlich nur untergeordnet an der Zusammensetzung der organischen Substanzen des Nusplinger Plattenkalks beteiligt, doch können in bestimmten Lagen bereits makroskopisch Ansammlungen von kohligen Holzfasern beobachtet werden (Abb. 1). Manche davon sind offensichtlich auch Bestandteil von Koprolithen. Im Herbst 2003 fand sich auf einer bituminösen Kalkplatte ein kleiner, kohliger Holzrest von auffällig unregelmäßigem, eckig-kantigem Umriss (Abb. 2), bei dem es sich offenbar um ein Stück Holzkohle handelt (Dietl et al. 2004).

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