seit 1871 Kurzfassungen der Jahresberichte und Mitteilungen: NF 88: 2006
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Was ist eigentlich Hunsrückschiefer?

Von Jürgen Gad

Mit 1 Abbildung

Kurzfassung

Die historische Entwicklung des Begriffs Hunsrückschiefer und seine Erforschungsgeschichte für den Osteifeler und den Westerwälder Raum wird abgehandelt. Daraus wird ersichtlich, dass der Begriff, auch in der jüngeren Literatur, nicht den internationalen Regeln zur Handhabung der stratigraphischen Nomenklatur entspricht. Die daraus resultierenden Probleme werden aufgezeigt und Möglichkeiten für ihre Lösung vorgeschlagen.

Abstract

The historical development of the term Hunsrück slate (Hunsrückschiefer) and the history of its investigation in the East Eifel and Westerwald area (Rhenish Slate mountains) is treated. Thus it appears that the usage of the term Hunsrück slate, even in the more recent literature, is not in accordance with the International Stratigraphic Guide. The problems arising out of this are shown and possible resolutions are proposed.

Einleitung

Im Standardwerk über die Geologie der Eifel von Meyer (1988) steht zu lesen: " Im Hangenden der Siegener Hauptaufschiebung treten in der Südosteifel mächtige Tonschieferfolgen auf, die zahlreiche Dachschieferpartien enthalten. In Analogie zu vergleichbaren Tonschieferserien in Hunsrück und
Taunus werden diese Gesteine als Hunsrückschiefer bezeichnet." Im Rahmen einer Neubearbeitung des Blattes 5510 Neuwied stand der Autor in der Typuslokalität der Augustenthal-Formation vor einer senkrechten Felswand, die über und über mit zahlreichen sich kreuzenden Rippelmarken übersät war (Abb. 1). Nach den Aussagen der jüngeren geologischen Literatur handelt es sich hierbei um Hunsrückschiefer. Angesichts der zahlreichen Rippelmarken kamen mir Zweifel an dieser Interpretation. Ein hinzugezogener, im Unterdevon erfahrener Sedimentologe bestätigte, dass es sich bei diesen Rippelmarken um Anzeiger für Flachwasserverhältnisse handelt. Weitere Begehungen des Gebietes erbrachten umfangreiche Hinweise über die von der Regio typico des Hunsrückschiefers abweichende fazielle Zuordnung (Elkholy & Gad in Vorbereitung). Außerdem ergaben Untersuchungen an Sporen aus der Mayen-Formation des Gebietes (Gad 2005), dass diese Einheit in das Gedinne oder Untersiegen zu stellen ist. Wenn weder die zeitliche noch die fazielle Zuordnung den Hunsrückschiefern in der Regio typico entspricht, welche Gründe liegen dann noch vor, die Gesteine im Hangenden der Siegener Hauptaufschiebung als Hunsrückschiefer zu bezeichnen ? Diese Frage veranlasste mich die historische Entwicklung des Begriffs Hunsrückschiefer für das Osteifeler und Westerwälder Gebiet näher zu verfolgen. Wie sich dabei zeigte, entspricht die, auch in der jüngeren geologischen Literatur, Handhabung des Begriffs Hunsrückschiefer nicht den Bestimmungen der Internationalen Regeln der Stratigraphischen Nomenklatur. Die daraus entstehenden Konsequenzen und Schwierigkeiten werden besprochen und Vorschläge für eine Lösung unterbreitet.

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