Das Gefälle des Neckars
bestimmt von Hochwasserabfluss und junger Tektonik
Von FRITZ FEZER
Mit 1 Abbildung
Je nachdem, von wo nach wo man misst, fällt das Gefälle eines Flusses anders aus. Der Hydrologische Atlas der Bundesrepublik Deutschland z.B. wählt die Strecken zwischen den Mündungen zweier Nebenflüsse. Ich habe nur die größten berücksichtigt. Um einen naturnahen Zustand zu fassen, habe ich die Werte aus Georg Wagner's "Jungen Krustenbewegungen" (1929, S. 123 & 165) entnommen, aber von seinen kurzen Strecken 3-5 zu tektonischen Einheiten zusammengezogen und die längeren unterteilt.
Ein Fluss folgt nicht einem vorgefundenen Gefälle, sondern steuert es selbst. Ist es zu sanft, um sein Sediment zu transportieren, bleibt dieses am Grund liegen, er höht die Sohle auf. Ist es steiler als notwendig, schneidet er sich ein. Warum verflacht sich das Gefälle flussabwärts und warum kann er trotzdem schnell strömen ? Am Ufer und an der Sohle wird er durch Reibung gebremst. Wenn er aber breiter und tiefer wird, bleibt in der Mitte noch ein breiter Teil des Querschnitts, wo er nur die innere Reibung überwinden muss. Er kann dann trotz des geringen Gefälles mehr oder weniger schnell fließen.
Ein Fluss verändert sein Bett nur bei Hochwasser; deshalb habe ich das Verhältnis zwischen Gefälle und dem "Mittleren Jährlichen Höchstabfluss" (MHQ) untersucht. Am besten passte der Abfluss (m3/s) zum reziproken, logarithmischen Gefälle (Abb.1).
Wagner (1929) und Wilser (1937, Abb. 1) scheinen die Tektonik zu jung eingeschätzt zu haben. Von den vielen Verwerfungen und Aufwölbungen blieben nur 3 übrig, an denen die Sohle steiler fällt, als nach der Hochwassermenge zu erwarten wäre. Der linke Hebungs-Pfeil der Abb.1 steht bei Oberndorf-Aistaig. Weil die Schichten nach E fallen, ist eine ganz lokale Aufwölbung bisher übersehen worden. Der Fluss hat sie weitgehend überwunden, die steilste Stelle ist schon 9km aufwärts rückgeschritten.
Der zweite Pfeil markiert den Hessigheimer Sattel E von Besigheim, der dritte den Horst des Heidelberger Königstuhls. Hier ist die Steile erst 1km aufwärts voran gekommen; als Besonderheit ist anzumerken, dass der Schwemmfächer, den der Neckar in den am schnellsten sinkenden Bereich des Oberrheingrabens (Fezer 1998) geschüttet hat, noch steiler fällt. An allen 3 Stellen ist das Tal eng, die Wände sind steil und hoch. Die Tiefenerosion eilt der Seitenerosion voraus, sie hat es aber noch nicht geschafft, das Gefälle dem Höchstabfluss anzupassen.
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