Zur Eiszeitgeologie des oberen Klettgau (Kanton Schaffhausen, Schweiz)
Von HANSRUEDI GRAF & FRANZ HOFMANN
Mit 11 Abbildungen und 3 Tabellen im Anhang
Kurzfassung
Im
oberen Klettgau wurden die Ablagerungen der klassischen Hoch- und
Niederterrasse neu untersucht. Anhand von Kies- und
Baugruben-Aufschlüssen sowie Bohrdaten wurde eine
Lithostratigraphie der Sedimente aufgestellt und diese mittels
sedimentpetrographischer Methoden zu einer erdgeschichtlichen und
paläogeographischen Rekonstruktion verdichtet.
Für den betrachteten Zeitraum konnten Ablagerungen von mindestens vier
Vereisungen nachgewiesen werden. Die älteste reichte bis etwa
nach Schleitheim und entspricht der klassischen Grössten
Vergletscherung. Dieses Ereignis ist wahrscheinlich älter
als die gesamte Füllung der eigentlichen Klettgaurinne. Die
ältesten darin entstandenen Ablagerungen sind die "Unteren
Klettgauschotter". Sie wurden in einer an ihre Ablagerung
anschliessenden Erosionsphase teilweise wieder ausgeräumt. Dabei
bildete sich zusätzlich zur Klettgau-Rinne die SE von Neuhausen
gelegene Neuhauserwald-Rinne. Die Gletscher der zweiten
Vereisungsphase liessen in ihrem Vorfeld die "Mittleren
Klettgauschotter" entstehen, ohne selbst das untersuchte Gebiet
zu erreichen. Während der darauf folgenden Vereisung drang Eis
ins obere Klettgau ein. Dabei entstand der randglaziale Komplex von
Beringen. Das Eis zog sich anschliessend einige Kilometer zurück,
wobei die Oberen Klettgauschotter geschüttet wurden. In der
Folge bauten sich vor der Eisfront im Gebiet von Engewald und Lusbüel
mächtige Lockergesteins-Komplexe auf. Beim weiteren
Gletscherrückzug wurden diese Ablagerungen im oberen Klettgau
weitgehend wieder erodiert, wobei gleichzeitig die Talung der Enge in
die mesozoischen Schichten eingeschnitten wurde. Anschliessend
herrschten über einen gewissen Zeitraum temperierte
Verhältnisse. Das während dieser Phase entstandene
Bodenmaterial wurde in einer folgenden Kaltphase solifluidal von den
Hängen des Klettgaus in die Ebene verfrachtet. Die Schotter der
Niederterrasse wurden während des kurzfristigen Maximalstandes
der letzteiszeitlichen Gletscher bei Schaffhausen und Neuhausen
geschüttet.
Abstract
Pleistocene
deposits commonly referred to as the High and Low Terraces
(Hoch- und Niederterrasse) have been re-investigated in the
upper Klettgau. New data have been collected in gravel pits,
construction sites, and from drillings to establish a
lithostratigraphic framework. This lithostratigraphy is used in
combination with sedimentary petrographic data to reconstruct
landscape evolution and paleogeography. At
least four glacial episodes are recognize in the study area for the
time period of the High and Low Terraces. The oldest as
well as the most extensive ice-advance is related to the Most
Extensive Glaciation of the classical nomenclature and reached
as far as Schletheim. This advance occurred before sedimentation in
the Klettgau valley proper began. There, the oldest known pleistocene
deposits are the Lower Klettgau Gravels; they have been
eroded partially shortly after deposition. In addition to the main
Klettgau valley a new incision just SE of Neuhausen developped. The
glaciers of the second oldest glaciation within the time period under
consideration did not reach the study area; however, they generated
the glaciofluvial Intermediate Klettgau Gravels. A valley
glacier has advanced into the Klettgau again during the following
glacial period producing ice-marginal deposits and the Upper
Klettgau Gravels. The ice retreated later some kilometres and
has caused important ice-marginal accumulations to form in the
Engewald and Lusbüel areas. During further glacial retreat most
of theses deposits were eroded again and a new Enge valley was cut
into the mesozoic bedrock. Temperate climate conditions followed with
intensive weathering as a result. Later the climate changed again and
under periglacial conditions slope processes moved weathered material
to the valley bottom. The Low Terrace Gravels were
deposited when the glaciers of the Last Glacial Maximum
reached the areas of Schaffhausen and Neuhausen.
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