Geologie und Tektonik im Bereich der Haslacher Störungszone (GK 25: Blatt 7419 Herrenberg)
Von MARION KAZMIERCZAK, HORST BRUNNER & KNUT HINKELBEIN
Mit 12 Abbildungen
Kurzfassung
Die bruchhaft verformten Deckgebirgseinheiten SW-Deutschlands spiegeln
auch in lokalen tektonischen Strukturen das ehemalige, überregionale
Spannungsfeld wider, das sie erzeugt hat. Aus der Rekonstruktion der
Paläospannungsfelder durch eine Strukturanalyse lassen sich geodynamische
Prozesse ableiten, die zum heutigen Strukturbild führten. In einem Steinbruch
im Oberen Muschelkalk bei Herrenberg-Haslach dokumentieren die
unterschiedlichen Störungspopulationen einen deutlichen Richtungswechsel
des Paläostressfeldes. Es sind vier Störungspopulationen zu erkennen, die sich
mindestens drei Deformationsereignissen zuordnen lassen. Dieses
regionaltektonische Muster wird auch in der Anordnung der Fotolineationen
sichtbar. Anscheinend erzeugte ein horizontalkompressives Spannungsregime
mit SW-NE gerichtetem die relativ ältesten Strukturelemente. Dieselbe
Orientierung der Hauptspannungsachsen, allerdings mit Austausch von
gegen , ist für die Abschiebungen der Haslacher Störungszone während
eines jüngeren Extensionsereignisses verantwortlich. Infolge der Rotation des
Spannungsfeldes im Gegenuhrzeigersinn entstand ein konjugiertes
Blattverschiebungssystem mit einer dextralen Schar, die subparallel zu den
Abschiebungen NW-SE streicht. Das relativ jüngste Deformationsereignis
reaktiviert die vorhandenen Abschiebungs- und Blattverschiebungsflächen,
diesmal aber mit gegenläufigem Bewegungssinn. Eine Interpretation als
gemeinsame Elemente einer sinistral-transtensiven Beanspruchung ist ebenso
möglich. Die anliegende Hauptspannungsrichtung, mit NW-SE orientiert,
korreliert mit dem rezenten Streßfeld SW-Deutschlands.
Abstract
Brittle deformation of the post-Permian sedimentary rock units in SW Germany
reflects the generating palaeostress field. Structural analysis of local palaeostress
orientation pattern reveals changing stress conditions during the geodynamic
development to recent tectonic structures. Different fault populations are exposed
in a quarry near Herrenberg (SW of Stuttgart) in the Upper Muschelkalk/Lower
Keuper (Ladinian). The analysis of striation microtectonics indicates a rotation
of the palaeo stress field. This study combines classical methods of analysing
brittle fractures with stress tensor determination of fault-striae data. The NW-SE
striking Haslach fault zone shows a system of normal and conjugate strike-slip
faults. They can be separated into four fault populations which correlate with at
least three deformational events. Apparently, the deformational succession started
in a compressive regime with horizontally SW-NE orientated
. Permutation of
to
in a persisting stress axis configuration happened during a relatively
younger extensional phase. The dominating normal faults originated from this
tensional stress. A slight counterclockwise rotation of the palaeo stress field
created a conjugate set of strikeslip faults with a dextral couplet trending NW-SE
subparallel to the normal fault direction. The relatively youngest deformation
reactivated pre-existing normal and strike-slip fault planes with reversal shear
sense. Instead, they may as well be interpreted as cogenetic elements of a
sinistral-transtensive compression. The maximum stress orientation, established
in NW-SE direction, correlates with the recent stress field in SW-Germany.
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