Bentonit-Horizonte im Devon der Ardennen und des Rheinischen Schiefergebirges:
Identifizierung und Korrelation vulkanischer Aschenlagen der Hydra-Gruppe (Ober-Emsium) durch
kristallmorphologische Spektren ihrer magmatogenen Zirkone
Von JOSEF WINTER
Mit 16 Abbildungen, 11 Tabellen und 1 Tafel
Zusammenfassung
In Bentonite umgewandelte air-fall Aschenlagen der Hydra-Gruppe werden erstmals aus der Mulde von Dinant, den
Eifelkalkmulden und dem Bergischen Land beschrieben. Identifizierung und tephrostratigraphische Korrelation der
chemisch und mineralogisch hochgradig veränderten Bentonitlagen erfolgen mit Hilfe der kristallmorphologischen Analyse
der stabilen magmatogenen Zirkone. Dieses "fingerprint"-Verfahren basiert auf der Erfassung zirkonmorphologischer
Spektren der einzelnen Bentonitlagen mit dem Rasterelektronenmikroskop. Das kristallmorphologische Spektrum erweist
sich - auch bei äolischer Verfrachtung der Aschen über große Entfernungen - als absolut konstant innerhalb der
Zirkonpopulation eines bestimmten Bentonit-Horizonts. In die stratigraphische Abfolge der Sedimente eingeschaltete Serien
vulkanischer Aschenlagen zeigen dagegen entweder sprunghafte Veränderungen oder auch gerichtete Verschiebungen
innerhalb dieser Spektren. Damit sind zirkonmorphologische Spektren hervorragend zur Unterscheidung und Identifizierung
auch hochgradig umgewandelter vulkanischer Aschenlagen geeignet und liefern ein wichtiges Werkzeug für die
tephrostratigraphische Korrelation. Im Oberemsium wird mit zirkonmorphologischen Spektren eine Untere und Obere
Hydra-Gruppe mit insgesamt fünf Bentonit-Horizonten (Hydra 1 bis V) unterschieden. Häufigkeitsverteilungen der
kristallmorphologischen Merkmale in den Spektren werden zur statistischen Absicherung der Korrelationen mit Hilfe des
Chi²-Tests verglichen. Auch zirkonmorphologische Spektren bereits früher beschriebener Bentonit-Horizonte der
Hercules- und Horologium-Gruppe (WINTER 1981) werden erstmals vorgestellt. Für die Korrelation von Profilen aus der
Mulde von Dinant und dem Bergischen Land mit der Eifel sind die Bentonit-Horizonte Hydra IV und V der oberen Hydra-
Gruppe von Bedeutung. Innerhalb der Eifel zeigt sich das zeitliche Fortschreiten der Oberems-Transgression von SW nach
NE in der Einschaltung von immer jüngeren Bentonit-Horizonten unmittelbar über der örtlichen Basis der transgredierenden
marinen Abfolge. Zur Herkunft der vulkanischen Aschen kann auf der Basis des zirkonmorphologischen Vergleichs zunächst
festgestellt werden, daß sie nicht aus vulkanischen Zentren des Sauerlandes stammen. Die kristallmorphometrische Analyse
der Zirkonpopulationen von Hydra 1, IV und V ergibt darüber hinaus, daß innerhalb dieser Bentonit-Horizonte eine
Abnahme der Kristallgröße von W nach E und demnach ein äolischer Transport in dieser Richtung vorliegt. Das vulkanische
Ausbruchszentrum der Hydra-Aschen ist also W des heutigen Ardennenraums zu suchen und liegt wahrscheinlich unter der
jüngeren Bedeckung des Pariser Beckens. Die Verzahnung der vulkanischen Aschen dieses Lieferzentrums im W mit
Produkten des Haupt-Vulkanits der Remscheid-Formation im Bergischen Land belegt die Bedeutung einer vulkanischen
Aktivitätsphase über den rechtsrheinischen Raum hinaus. Die Koinzidenz transgressiver Schübe im links- und
rechtsrheinischen Raum zeigt den Zusammenhang zwischen erhöhter Dilatation im Intraplattenbereich, der Öffnung von
Aufstiegswegen für intrakrustale saure Magmen und regionaler Subsidenz.
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