seit 1871 Kurzfassungen der Jahresberichte und Mitteilungen: NF 78: 1996
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Der Massenkalk des Schaufelsen im Oberen Donautal

Von JÖRG SCHALLER & ROMAN KOCH

Mit 6 Abbildungen und 4 Tafeln

Zusammenfassung

Der Schaufelsen bildet das größte zusammenhängende Felsmassiv ("Massenkalke") im Oberen Donautal; er wurde anhand eines ca. 84 m mächtigen Profils mit statistischer Beprobung untersucht. Ziel war es, den ungegliedert wirkenden Bereich (Malm d4 und e) im Hangenden der Glaukonitbank (Grenze Malm d3/4) im Hinblick auf Mikrofazies und Diagenese zu untersuchen, um so zu Aussagen über den Bildungsraum des Massenkalkes zu gelangen.
Komponenten und diagenetische Merkmale der Karbonatgesteine wurden anhand von Folienabzügen und Dünnschliffen analysiert. Die mineralogische Zusammensetzung der Gesteine (Calcit, Dolomit, Nichtkarbonate, Tonminerale) wurde röntgenographisch ermittelt.
Die sehr reinen, grauweißen Kalke (96-100% CaC03) des untersuchten Profils können aufgrund der Verteilung der vier Hauptkomponenten (Cyanobakterien-Krusten, Schwämme, Peloide, Ooide) sowie untergeordneter Komponenten (Intraklasten, andere Biogene) in fünf Faziestypen untergliedert werden, die sich vertikal in wechselnden Häufigkeiten unregelmäßig wiederholen. Eine geordnete vertikale Schichtfolge, die z. B. die verschiedenen Zonen eines Biohermwachstums widerspiegeln würde, ist nicht vorhanden.
Aufgrund der Komponentenverteilung können drei große, sich überlagernde Fazieseinheiten erkannt werden, die sich auch in der morphologischen Ausbildung der Wände des Schaufelsen wieder erkennen lassen und die vom Liegenden zum Hangenden eine Verflachung des Ablagerungsraumes anzeigen.
Die liegende Einheit-A, die oberhalb der Glaukonitbank beginnt, besteht aus Schwamm-führenden Peloid Wackestones und Packstones (lokal Grainstones) und weist eine Mächtigkeit von etwa 20 m auf. Die mittlere Einheit-B ist vorwiegend aus Ooid-Peloid Packstones-Grainstones (lokal Wackestones) aufgebaut und hat eine Mächtigkeit von etwa 30m. Die hangende Einheit-C (etwa 34 m Mächtigkeit) ist durch Cyanobakterien-Krusten charakterisiert (stromatolithische Bindstones) und weist Stromatolithen bis 1 cm Höhe auf.
Der Massenkalk des Schaufelsen kann daher in seinem überwiegenden Teil im untersuchten Profil weder als Schwammriff in weitester Bedeutung, noch als Schwamm-Stromatolith-Magnafazies bezeichnet werden. Es handelt sich vorwiegend um eine reine Karbonatsandfazies (Peloid-Lithoklast-Ooid Packstones/ Grainstones), die in Zeiten geringerer Sedimentationsraten von Cyanobakterien-Krusten lagig-stromatolithisch fixiert wurde. Das Vorkommen von Schwämmen im unmittelbar Hangenden der Glaukonitbank könnte sowohl im Zusammenhang mit dem verstärkten tonigen Eintrag der "Glaukonitbank-Zeit" als auch mit einer besonderen faziellen Position dieses Bereiches im Bezug zu den Karbonatsanden gesehen werden. Ob im Bereich der Glaukonitbank ein aufgrund von submarinem Vulkanismus im Meerwasser erhöhter Kieselsäuregehalt für das anschließende verstärkte Wachstum der Schwämme ausschlaggebend war, bleibt ein zu diskutierendes Problem.
Die hier vorkommenden Ooide sind maximal 1 mm groß (meist 0,5 mm), weisen unterschiedliche Kerne (Molluskenreste, Echinodermenbruchstücke, Peloide) auf und sind meist in Grainstone-Lagen und -Bänken von bis zu 2 m Mächtigkeit angereichert. Sie sind in unterschiedlichem Maße mikritisiert und umkristallisiert, so daß die primären tangentialen Strukturen zunehmend verwischt wurden. Die Umkristallisation vollzog sich von einzelnen radial orientierten größeren Kristallen bis hin zu vollständigen Radialooiden mit nur noch schemenhaft erkennbaren primären Tangentialstrukturen.
Die Zemente in Interpartikelporen der Karbonatsande bestehen überwiegend aus feingranularen und grobgranularen klaren Blockzementen, die als Bildungen der flachen Versenkungsdiagenese angesehen werden. Allseitige, isopache Zementsäume um die Komponenten belegen eine frühe marin-phreatische Zementation und sind häufig in Lagen angereichert. Sie weisen vorwiegend blättrige Kristallmorphologien mit Reliktstrukturen auf und werden daher als primäre Mg-Calcitsäume interpretiert. Viele dieser Zemente zeigen unterschiedliche Stadien der Umkristallisation bis hin zu deutlichen Skalenoederformen der Kristalle, die als Hinweise auf frühe meteorische Einflüsse gesehen werden können. In solchen Bereichen gibt es auch vorwiegend syntaxiale Anwachssäume um Echinodermenbruchstücke. Meniskus-artige Anreicherungen von feingranularen Zementen im Bereich von Kornkontakten könnten als Hinweise auf frühe (intrajurassisch ?) meteorische, vadose Bedingungen aufgefaßt werden. Asymmetrische, fibröse Zemente an den Decken von Stromatactis-Hohlräumen könnten marin vadose Bedingungen anzeigen.

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