Paläohydrologische Untersuchungen zur Umlenkung der Radolfzeller
Aach bei Rielasingen-Arlen
Von HUBERT BLUM, WOLFGANG BLUDAU, WOLFGANG OSTENDORP & EDITH SCHMIDT
Mit 9 Abbildungen und 4 Tabellen
Zusammenfassung
Durch eine Kombination von geomorphologischen, feldgeologischen und sedimentologischen Methoden konnten die paläohydrologischen
Ereignisse, die mit der Laufrichtungsänderung der Radolfzeller Aach im Bereich Rielasingen in Zusammenhang stehen, weitgehend aufgeklärt
werden:
1. Die morphologischen Befunde bestätigen, daß sich im Bereich Rielasingen-Arlen der Auslauf des Eisrandstausees befand, der sich in der Zeit
zwischen den Gletscherrückzugsständen 7 und 8 im westlichen Unterseegebiet gebildet hatte.
2. Die Untere Radolfzeller Aach nahm ursprünglich einen anderen Verlauf als
heute: Sie floß von Rielasingen aus in südwestlicher Richtung, erreichte westlich der Ortschaft Ramsen das untere Bibertal und folgte
diesem bis zur Mündung in den Hochrhein, etwa 2 km westlich von Hemishofen. Damit ist der heute ab Rielasingen-Arlen erscheinende
Ostverlauf sekundärer Natur und wurde durch eine Ablenkung des alten Gerinnes verursacht. Indizien für einen mehrfachen Wechsel zwischen
dem Bodensee- und Hochrhein-Mündungsgebiet liegen nicht vor.
3. Die Laufrichtungsänderung fand im Zeitabschnitt Allerod/Jüngere Dryas statt (ca. 11 000 BP; 14C-Daten und pollenanalytische Datierungen).
4. Östlich des Aachknies können 3 Flußrinnen ausgeschieden werden: Die als "Ostrinne l" bezeichnete Rinne dürfte bis etwa 1000 BC aktiv
gewesen sein. Die Ostrinne II liegt etwas nördlich der ersten; eine Datierung der Inaktivierung war hier nicht möglich. Die dritte, nördlichste
Rinne, entspricht der heutigen Situation.
5. Das Fehlen jeglicher paläohydrologischer Spuren aus dem frühen und mittleren Holozän wird
damit erklärt, daß infolge der damals dichten Waldbedeckung eine hydrologisch stabile Phase
angenommen werden kann, innerhalb derer die Hochwasserscheitel schwächer ausfielen. Damit
kann für diesen Zeitabschnitt die Neigung zu Gerinnebettveränderungen eher gering eingeschätzt
werden.
|