Das Quartär in Vorarlberg:
Die eiszeitlichen Prozesse und die Morphostratigraphie
der letzten Talvergletscherung
Von LEO W. S. DE GRAAFF
Mit 6 Abbildungen und 5 Tabellen
Zusammenfassung
Die von der AGRG in Vorarlberg und im angrenzenden Alpenvorland durchgeführte,
flächendeckende geomorphologische Kartierung und die weiteren quartärgeologischen Beobachtungen
dort führten zur Entwicklung einer detaillierten Morphostratigraphie der eiszeitlichen Geländeformen
und Quartärablagerungen. Talfüllungen und ein 14C-Datum (23 900 + 400 BP) bringen Information
über die letzte Aufbauphase. Das Eisstromnetz war vermutlich erst nach 22 000 BP völlig geschlossen.
Die hochglazialen Eisrandlagen und Gradienten des Rheingletschers in Vorarlberg sind oft
unterschätzt worden. Der Abbau ist von aufeinanderfolgenden (von Sedimenten markierten)
Eisrandlagen des rückschmelzenden Rhein- und Illgletschers belegt. Die Vorlandstadien konnten mit
der Talvergletscherung in Vorarlberg verbunden werden und sind außerdem mit einigen 14C-Datierungen verknüpft. Um 15500 BP (Komplex II oder ,Stein am Rhein' s.l.) hatten einige
Seitengletscher im südlichen Walgau den Kontakt mit dem Illgletscher endgültig verloren. Im unteren
Talbereich des Rhein-und Illtals waren die Hauptgletscher erst um 2000 Jahre später, vor dem Ende
der Ältesten Dryas (13200 BP), verschwunden.
Die Interaktion zwischen glazialen und fluvialen Prozessen während der Auf- und Abbauphasen
der pleistozänen Talvergletscherungen wird hervorgehoben. Der Prozeßgang wurde von der früh- und
spätglazialen Ablagerung fluvialer Talfüllungen in verschiedenen Seitentälern des Rhein- und Illtals
abgeleitet. Die vorhandenen Relikte ermöglichen nicht nur den Mechanismus der Haupt-/Seitentalvergletscherungen zu erklären, sondern es ist auch eine Talvergletscherungsfolge mit
zugehörenden Schneegrenzlagen während des Eisaufbaus und Eisabbaues festzustellen. Neue
stratigraphische Übersichtstabellen werden präsentiert. Schließlich wird auf die Konsequenzen für die
chronostratigraphische Einstufung der fossilen Blockgletscher und Lokalmoränen hingewiesen. Die
Schneegrenzdepressionswerte (SGD-Werte) waren im W-Vorarlberg bis kurz vor und nach dem letzten
Hochglazial allgemein niedriger (höhere Schneegrenzlagen!) als vorher angenommen wurde. Die
Temperaturkurven vom Grönlandeis scheinen synchrone Verhältnisse mit der letzten
Rheintalvergletscherung aufzuweisen.
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