Lakustrine und pedogene Sedimente im Knollenmergel
(Mittlerer Keuper, Obertrias)
des Mainhardter Waldes (Nordwürttemberg)
Von DIETER B. SEEGIS & MATTHIAS GOERIGK
Mit 2 Abbildungen und 5 Tafeln
Abstract
The stratigraphic membership of local occurrences of
chert-bearing limestones and claystones in the upper
Middle Keuper of northern Baden-Württemberg has long
been subject to controverse discussion. Recent field
and petrographic investigations of one of these
occurrences yielded evidence for placing them
stratigraphically into the uppermost Knollenmergel,
representing a peculiar facial development of this
stratigraphic member. The chert-bearing limestones are
interpreted as palustrine carbonates, according to
their texture and sparse fossil content. They were
deposited in extremely shallow lakes and, during phases
of drying-out, were subject to repeated pedogene
modification. The latter is indicated by in-situ-brecciation, caliche pisoids and an intensive root
penetration. The silicifications are syngenetic, SiO2-precipitation probably taking place in the niveau of
former ground-water tables. Clay- and sandstones
connected to the limestones are interpreted as
sediments deposited by a small river entering the lake.
The occurrence of silicified peat near the presumed
river mouth demonstrates a dense vegetation.
Discussing a number of very similar deposits in the
studied area, it is shown that such palustrine
sediments are abundant in the upper Knollenmergel of
Nordwürttemberg. Some of them had been placed
erroneously into the Upper Keuper by most previous
authors; the best-known examples are the coal-bearing
strata of Mittelbronn and Obergröningen on the
Frickenhofer Höhe, which were in former times exploited
for coal.
Furthermore, some deposits consisting of abundant
isolated rock fragments of Keuper cherts in Baden-Württemberg are interpreted as weathering relics of
eroded chertbearing Knollenmergel limestones. Criteria
for distinguishing Knollenmergel cherts from other
Keuper cherts in the studied area are given. It is
shown that a genetic connection of some Knollenmergel
chert deposits to tectonic structures, as assumed by
some previous authors, does not exist. Obviously, in
late Knollenmergel times a number of shallow lakes
existed, each fringed by a girdle of dense vegetation.
The Knollenmergel is interpreted as the deposit of an
extensive dry playa showing a number of shallow lakes
and ponds, in front of alluvial fans.
Zusammenfassung
Im nördlichen Baden-Württemberg treten im höheren
Mittelkeuper lokal feuersteinführende Kalkbänke und
Tonsteine auf, deren genaue stratigraphische
Zugehörigkeit lange umstritten war. Neue
Kartierungsergebnisse und petrographische
Untersuchungen an einem dieser Vorkommen zeigen, daß es
sich um eine besondere fazielle Ausbildung des höchsten
Knollenmergels handelt. Die Kalke mit ihren
Verkieselungen werden aufgrund ihres Gefüges und des
spärlichen Fossilinhalts als palustrine Karbonate
interpretiert. Sie entstanden in extrem flachen Seen
und unterlagen während häufiger Austrocknungsphasen
einer wiederholten pedogenen Überprägung. Anzeichen
dafür sind in-situ-Brekziierung, Caliche-Pisoide und
starke Durchwurzelung. Die Verkieselungen sind
syngenetisch, die SiO2-Abscheidung erfolgte vermutlich
an der damaligen Grundwasseroberfläche. Mit den Kalken
verzahnte Tonsteine und sandige Sedimente werden als
Ablagerungen im Einmündungsbereich eines Wasserlaufes
in den See gedeutet. Das Auftreten von verkieseltem
Torf in diesem Bereich belegt ein starkes
Pflanzenwachstum.
Die Diskussion einer Reihe sehr ähnlicher Vorkommen
zeigt, daß derartige Sedimente im höheren Knollenmergel
Nordwürttembergs nicht selten sind. Dazu gehören auch
die bislang in den Oberkeuper gestellten,
kohleführenden Schichten von Mittelbronn und
Obergröningen auf der Frickenhofer Höhe, die früher
bergmännisch ausgebeutet wurden. Ferner werden einige
Schuttdecken aus Keuperfeuersteinen in BadenWürttemberg
als Relikte verwitterter Knollenmergel-Kalke gedeutet
und Kriterien für die Identifizierung dieser
Knollenmergel-Feuersteine aufgestellt. Der manchmal
angenommene Zusammenhang der Feuerstein-Vorkommen mit
tektonischen Strukturen wird widerlegt, er beruht nur
auf der Erhaltung einiger solcher Vorkommen in
tektonischer Tieflage. Es zeigt sich, daß zur Zeit des
höheren Knollenmergels zahlreiche Seesenken mit reicher
Vegetation bestanden. Der Knollenmergel ist daher am
ehesten als Ablagerung einer sehr ausgedehnten, mit
Seen durchsetzten "trockenen" Playaebene anzusprechen,
die randlich in Schwemmfächer überging.
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