seit 1871 Kurzfassungen der Jahresberichte und Mitteilungen: NF 74: 1992
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Vergleich der Mauerer Sande mit den datierten Bohrprofilen aus dem Heidelberger Neckarschwemmfächer

Von FRITZ FEZER, GERHARD MEIER-HILBERT und SIEGFRIED SCHLOSS

Mit 7 Abbildungen und 2 Tabellen

Herrn Prof. Dr. Hans Graul, Gutenzell, früher Heidelberg, gewidmet.

Abstract

In Mauer, in an abandoned meander of the Neckar river, the lower jaw of the "Homo erectus heidelbergensis" was found (1907). Since then, bones, loess, loam and sand were thoroughly analyzed, but the question: How old is the oldest European man? was answered differently. We searched for parallel developments and found them in the complete layers in the Neckar fan west of Heidelberg. There, the comparable gravel and loam beds had sunk down to 260m depth.

The trends, maxima and minima of grain proportions and of sand- and limestone pebbles run parallel in Heidelberg and Mauer. On the other hand, the average grain size curve of the drilling "Entensee" runs parallel to the global Quaternary stratigraphy. Transfering the dating from the ocean to the fluvial sediments of Heidelberg and finally to the Mauer strata, we estimate the age of the Heidelberg man as 500-550000 years B.P.

Zusammenfassung

Die Mauerer Sande sind sehr gut untersucht; aber die Schichten haben vier Mängel. Sie hängen nicht mit anderen Schotterlagern zusammen, sind nicht vollständig abgelagert, einzelne Schichten sind nachträglich erodiert, in anderen sind die Kalke herausgewittert.

Im Heidelberger Neckarschwemmfächer ist die Klimageschichte in zehnmal größerem Maßstab überliefert, weil sich die Bergstraßen-Tiefscholle sehr schnell tektonisch senkt. Bei der Deutung des Bohrprofils Entensee tasteten wir uns schrittweise nach unten, um es in die Quartärstratigraphie einzuhängen. Im obersten Grobschotterpaket wandeln sich die Anteile verschiedener Gesteine unter den Geröllen parallel zu den detaillierten Würm-Weichsel-Wisconsin-Klimakurven (hier nicht dargestellt, s. FEZER 1977). Als Zweites wurden in Würm- und Eem-Proben das Verhältnis Uran zu Thorium bestimmt und daraus das Alter berechnet.

Im folgenden Schritt wurde das zweite und dritte Kiespaket den Eiszeiten "Riß/ Warthe" und "Mindel/Saale" zugeordnet. Abstände und Mächtigkeiten passen zu den Zeitangaben bei SHACKLETON und STREMME. In einem Test (Abb. 3) wurden jene auf einer Abszisse abgetragen, die Teufe auf der Ordinate; Lote und Teufenlinien schneiden sich; diese Punkte lassen sich zu einer mäßig gekrümmten Kurve verbinden. Der Neckar hat also gleichmäßig und allmählich immer stärker aufgeschottert.

Der vierte Schritt galt dem Altquartär. Unterhalb von -200 m heben sich die geröllführenden Schichten nicht mehr so deutlich von den warmzeitlichen Silten ab und sind auch dünner. In SHACKLETONS Klimakurve sind die entsprechenden Abschnitte eben falls kürzer und die Amplituden geringer. Seinen Enden der kühlen Perioden lassen sich die Obergrenzen der gröberen Sedimente in Heidelberg zuordnen. Als Test dient wiederum die Kurve der Schnittpunkte auf Abb. 3.

Im fünften Arbeitsschritt wurden in den Neckarschottern die Anteile der einzelnen Gesteinsarten verglichen und mit flußgeschichtlichen Ereignissen in Verbindung gebracht. Demnach paßt die Schicht, in welcher der Mensch von Mauer lag, am besten zum 250-260m-Bereich der Heidelberger Bohrung, nicht nur in den ziffernmäßigen Gehalten an Kies oder Silt, Buntsandstein, Keupersandstein und Jurakalk-Geröllen, sondern vor allem in den Trends, Maxima und Minima. Der Homo erectus heidelbergensis lebte in einer kühlen Periode und dürfte 500-550000 Jahre alt sein.

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