Vergleich der Mauerer Sande mit den datierten Bohrprofilen
aus dem Heidelberger Neckarschwemmfächer
Von FRITZ FEZER, GERHARD MEIER-HILBERT und SIEGFRIED SCHLOSS
Mit 7 Abbildungen und 2 Tabellen
Herrn Prof. Dr. Hans Graul, Gutenzell, früher Heidelberg, gewidmet.
Abstract
In Mauer, in an abandoned meander of the Neckar river, the lower jaw of the "Homo erectus
heidelbergensis" was found (1907). Since then, bones, loess, loam and sand were thoroughly analyzed,
but the question: How old is the oldest European man? was answered differently. We searched for
parallel developments and found them in the complete layers in the Neckar fan west of Heidelberg.
There, the comparable gravel and loam beds had sunk down to 260m depth.
The trends, maxima and minima of grain proportions and of sand- and limestone pebbles run
parallel in Heidelberg and Mauer. On the other hand, the average grain size curve of the drilling
"Entensee" runs parallel to the global Quaternary stratigraphy. Transfering the dating from the ocean
to the fluvial sediments of Heidelberg and finally to the Mauer strata, we estimate the age of the
Heidelberg man as 500-550000 years B.P.
Zusammenfassung
Die Mauerer Sande sind sehr gut untersucht; aber die Schichten haben vier Mängel. Sie hängen nicht mit
anderen Schotterlagern zusammen, sind nicht vollständig abgelagert, einzelne Schichten sind nachträglich
erodiert, in anderen sind die Kalke herausgewittert.
Im Heidelberger Neckarschwemmfächer ist die Klimageschichte in zehnmal größerem Maßstab überliefert,
weil sich die Bergstraßen-Tiefscholle sehr schnell tektonisch senkt. Bei der Deutung des Bohrprofils Entensee
tasteten wir uns schrittweise nach unten, um es in die Quartärstratigraphie einzuhängen. Im obersten
Grobschotterpaket wandeln sich die Anteile verschiedener Gesteine unter den Geröllen parallel zu den
detaillierten Würm-Weichsel-Wisconsin-Klimakurven (hier nicht dargestellt, s. FEZER 1977). Als Zweites
wurden in Würm- und Eem-Proben das Verhältnis Uran zu Thorium bestimmt und daraus das Alter berechnet.
Im folgenden Schritt wurde das zweite und dritte Kiespaket den Eiszeiten "Riß/ Warthe" und
"Mindel/Saale" zugeordnet. Abstände und Mächtigkeiten passen zu den Zeitangaben bei SHACKLETON und
STREMME. In einem Test (Abb. 3) wurden jene auf einer Abszisse abgetragen, die Teufe auf der Ordinate;
Lote und Teufenlinien schneiden sich; diese Punkte lassen sich zu einer mäßig gekrümmten Kurve verbinden.
Der Neckar hat also gleichmäßig und allmählich immer stärker aufgeschottert.
Der vierte Schritt galt dem Altquartär. Unterhalb von -200 m heben sich die geröllführenden Schichten
nicht mehr so deutlich von den warmzeitlichen Silten ab und sind auch dünner. In SHACKLETONS
Klimakurve sind die entsprechenden Abschnitte eben
falls kürzer und die Amplituden geringer. Seinen Enden der kühlen Perioden lassen sich die
Obergrenzen der gröberen Sedimente in Heidelberg zuordnen. Als Test dient wiederum die Kurve der
Schnittpunkte auf Abb. 3.
Im fünften Arbeitsschritt wurden in den Neckarschottern die Anteile der einzelnen Gesteinsarten
verglichen und mit flußgeschichtlichen Ereignissen in Verbindung gebracht. Demnach paßt die
Schicht, in welcher der Mensch von Mauer lag, am besten zum 250-260m-Bereich der Heidelberger
Bohrung, nicht nur in den ziffernmäßigen Gehalten an Kies oder Silt, Buntsandstein, Keupersandstein
und Jurakalk-Geröllen, sondern vor allem in den Trends, Maxima und Minima. Der Homo erectus
heidelbergensis lebte in einer kühlen Periode und dürfte 500-550000 Jahre alt sein.
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